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Ganz oben angekommen

Choreograph des Jahres: Marco Goecke

20 Jahre sind vergangen, seit Marco Goecke sein erstes Stück in Stuttgart schuf. Er war der Sonderling beim Noverre-Abend, auch seine ersten Auftragswerke ernteten immer mal wieder ein paar kräftige Buhrufe, während andere Zuschauer ihr Glück kaum fassen konnten: endlich ein neuer Stil, neue Bewegungen, eine neue Ästhetik inmitten der Forsythe-Epigonen und Neoklassik-Recycler. 80 Stücke hat Goecke seitdem choreografiert, für die nächste Spielzeit haben Martin Schläpfer in Wien und Igor Zelensky in München etwas bei ihm bestellt, an der Opéra in Paris war er auch schon. Er ist ganz oben angekommen und natürlich stolz, aber eigentlich will er nur in Ruhe arbeiten. Als Direktor schlägt er sich nun mit Krankmeldungen, Betriebsrat und Diversitätsbeauftragten herum, muss unglückliche Tänzer trösten und wundert sich über diese Zeit, in der «die Intendanten von den Sockeln kommen». Die jungen Tänzer kratzen an den gewohnten Strukturen, fordern ein Mitspracherecht an allem, das erlebt er weniger in Hannover, vor allem in anderen Kompanien. Wie so oft zitiert er Pina Bausch herbei, die ultimative Weisheit in allen Fragen: «Das hat die Wuppertaler Tänzerin Nazareth Pandero einmal gesagt: ‹Wenn Pina nicht auch superstreng gewesen wäre und Dinge beschlossen hätte, dann hätte es dieses Tanztheater nicht gegeben. Theater ist keine Demokratie›.»

Den gesamten Beitrag von Angela Reinhardt lesen Sie im Jahrbuch tanz

(Portraitfoto: Roman Novitzky)