Seit der Saison 2015/16 gehört die 32-Jährige zum Ensemble des Hamburger Schauspielhauses. Und ist dort in zwölf Rollen zu sehen; «ich spiele leidenschaftlich gern, und es ist toll, viel zu proben und zu spielen, aber manchmal wünschte ich mir ein wenig mehr Zeit im Dazwischen, um darüber nachdenken zu können, was ich da tue.» Sechs Rollen spielte sie schon mal innerhalb einer Woche, oft springt sie kurzfristig für Kolleginnen ein. Meist sind es mittelgroße Figuren, denen sie mit ruhiger Ernsthaftigkeit und einer kaum wahrnehmbaren körperlichen Schräglage eine eigene Dringlichkeit verleiht. Souverän eint sie große Gefühle mit subtiler Komik. Ihre Figuren sind zerbrechlich, trotzig, wütend und stolz zugleich, sind voller Witz und Charme.
«Jede Figur ist bei ihr in den besten Händen», schwärmt die Schauspielkollegin Lina Beckmann in ihrer Laudatio auf Josefine Israel bei der Verleihung des Boy-Gobert-Preises. Die Auszeichnung für den Schauspielnachwuchs auf Hamburgs Bühnen erhält Josefine Israel im Jahr 2020. «In der Zeit des Stillstands im Theater während Corona und insbesondere in der absurden Situation, für die Preisverleihung im Lockdown in einen leeren Saal und für eine Handkamera eine Vorstellung geben zu müssen, ist mir endgültig klar geworden, wie wichtig es für mich ist, zum Publikum in einem gemeinsamen Raum eine Beziehung aufzubauen», erinnert sie sich, «dieses Sich-Verbinden, das Unvorhersehbare im Moment zu teilen, diese Direktheit im Dialog zwischen Bühne und Zuschauerraum, das ist und bleibt aufregend im Theater.