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Poetisch und mitreißend

Die Company Sasha Waltz & Guests feiert ihr 30-jähriges Jubiläum

Gewachsen ist Sasha Waltz immer an Herausforderungen, seien es nun positive oder krisenhafte. Je größer die Herausforderung, desto größer ihr künstlerisches Wachstum. Als sich das Scheitern an der Schaubühne abzeichnete – trotz des großen Erfolgs und des begeisterten Publikums, dass Waltz seitdem treu an all ihre immer wieder neuen Orte folgt – inszenierte Sasha Waltz ihre erste Oper. Purcells «Dido & Aeneas». Poetisch, mitreißend und ungemein erfolgreich. Auch ein neuer Probenort war schon in Arbeit. 2006 wurde das Radialsystem als neuer Ort für «Künste und Ideen» eröffnet, betrieben vom Musikmanager Folkert Uhde und von Jochen Sandig. 2007 kamen dann gleich zwei große Operninszenierungen heraus, «Medea», und, wieder so ein spektakulärer Meilenstein, «Roméo et Juliette» an der Pariser Oper. Danach brach Sasha Waltz zusammen. Nicht, wie sie heute sagt, weil die künstlerische Arbeit zu viel war. Nicht, weil die beiden damals noch kleinen Kinder Laszló und Sophia immer mit dabei waren. Sondern weil die Gesamtsituation zu viel war. Der Bruch mit der Schaubühne, der rasant schnelle Aufbau des Radialsystems, das persönliche finanzielle Risiko, dass sie und ihre Familie damals dafür eingingen.

Seitdem gibt es ein neues Thema im Leben von Sasha Waltz. Grenzen ziehen. Loslassen. Aufgaben übertragen. Reduktion. Sie ist in diesem Frühjahr 60 Jahre alt geworden und an diesen Themen arbeitet sie noch immer. Zwischendurch, 2019, glaubte sie noch, anzukommen an einem festen Ort. Die gemeinsame Berufung mit Johannes Öhman als Co-Intendant*innen des Berliner Staatsballetts schlug gewaltige Wellen, die Staatsballetttänzer*innen liefen Sturm. Öhman übernahm, nachdem der Vorgänger Nacho Duato vorzeitig den Posten räumte, ein Jahr vor dem offiziellen Amtsbeginn allein die Leitung. Dass er, bevor die gemeinsame Zeit richtig startete, trotz des großen Erfolgs das Handtuch warf und Sasha Waltz vor vollendete Tatsachen stellte, zeigt eine zerrüttete Arbeitsbeziehung. Der Preis für Sasha Waltz ist bitter. Als Künstlerin ist sie international anerkannt und von vielen großen Häusern umworben. Aber die Basis ihrer Arbeit, ihre Company, die nur aus 7 fest angestellten und mehr als 20 assoziierten Tänzer*innen besteht, wird wohl für den Rest ihrer Existenz eine nomadische bleiben. Eine, die in Berlin immer wieder Geld und Spieltermine erkämpfen muss. Eine, die das umfassende Repertoire von Sasha Waltz nicht zeigen kann. Obwohl es die großen Häuser füllen würde.

Den gesamten Beitrag von Michaela Schlagenwerth lesen Sie in tanz 8-9 2023hier