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Rezensionen August

München: Strauss «Salome»

Die Musik kommt glänzend zur Geltung. Kirill Petrenko und das Bayerische Staatsorchester treiben den symphonischen Druck so hoch wie möglich, halten sich aber gleichzeitig an kleinste motivische Verästelungen und eine Balance, die historisch geschultem Klangbewusstsein entspringt. Weitab von jeder Stimmungsmalerei oder der gerne beschworenen «Schwüle» legen sie Strukturen frei, entdecken die Modernität der Partitur – ihre Wagnisse, aber auch ihre Walzer-Gelassenheit – wie neu. Im Gegensatz zum Dirigat von Franz Welser-Möst, der im letzten Salzburger Festspielsommer ebenfalls in diese Richtung arbeitete, dominiert keineswegs Kühle, sondern ein direkter, klangsinnlicher Zugriff, den Petrenko in unnachahmlicher Weise mit dem analytischen Ohr verbindet.

Marlis Petersen setzt ihre große und unkonventionelle stimmliche Wandlungsfähigkeit ein, hat sich die gefährliche Partie geschickt eingeteilt, kostet Textnuancen aus, kann – dank sei dem Dirigenten und der Akustik – mit subtilen Piani prunken, bleibt Silbe für Silbe verständlich. Vor allem: Sie bleibt ihrer anmutig weichen und genuin warmen Stimmfärbung treu, sucht gar nicht erst nach jenem «kräftigsten Metall», das Strauss für eine Salome-Stimme forderte. Kurz: Es wird eine ewig lockende, aber hoffentlich nicht zu oft gesungene Grenzpartie bleiben für diese Sängerin, die vom Barock über Belcanto bis zu Uraufführungen einfach alles kann. Und das ist gut so.

Die ausführliche Rezension von
Stephan Mösch finden Sie in Opernwelt 8/2019
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Wiederaufnahme am 5. Oktober 2019