In «Isadora Duncan» setzt sich Jerome Bel mit einer toten Legende auseinander. Von deren Tanzstücken – abgesehen von einem Filmschnipsel, zahlreichen Fotos, Zeichnungen und dem, was ihre Schülerinnen mitgenommen haben – nichts überliefert ist. Was Bel präsentiert, ist also weitgehend ein Spiel mit der Fantasie.
Die Idee, sich ausgerechnet mit Duncan zu befassen, lag keineswegs auf der Hand. «Ich hatte überhaupt keinen Bezug zu Isadora Duncan. Ihre Kunst schien mir überaltert und nicht sehr ernsthaft. Dann aber las ich durch Zufall ihre Autobiografie. Ich war fasziniert und begann, über sie zu recherchieren. Was ich da entdeckte, fand ich dann doch bedeutend.» Die grundsätzliche Ahnungslosigkeit teilt Bel wohl mit weiten Teilen des Tanzpublikums. Denn von der 1877 in San Francisco geborenen und 1927 verstorbenen Tänzerin und Choreografin hat sich vor allem die Episode ihres tragischen Unfalltods eingebrannt.