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Jacques Offenbach zum 200.

Wer ist Jacques Offenbach wirklich? Ein Komponist, der in den Opéras-bouffes seine, vielleicht sogar die Gesellschaft in ihren (Macht-)Strukturen und Defiziten, vor allem in ihren Selbstbetäubungen aufs Korn nimmt. Die «Grande-Duchesse de Gérolstein» – uraufgeführt 1867 im Pariser Théâtre des Variétés mit der Bühnenberserkerin Hortense Schneider in der Titelrolle – ist dafür ein gutes Beispiel: eine Posse über das aufgeplusterte Militär im Zweiten Kaiserreich und die intriganten Hintermänner im Operettenfürstentum Gerolstein. Natürlich erkannte dahinter jeder Zeitgenosse die französischen Verhältnisse wieder, die schließlich zum Krieg gegen Preußen führten.

Opernwelt widmet Offenbach und aktuellen Inszenierungen zum 200. Geburtstag im August einen Schwerpunkt: Aus Köln, wo sich bei der «Grande-Duchesse de Gérolstein» leider der «Gähnreiz in dreieinhalb Stunden kontinuierlich» steigerte. Aus Bielefeld, wo man einen «hinreißenden Ausflug in Offenbachs Orpheus-Unterwelt» unternahm. Aus Karlsruhe, wo sich «operettenhafte Komik mit einem surrealistischen Flair» verbindet. Und aus Frankreich: An der Pariser Opéra Comique wird «Madame Favart» zur musikalischen Entdeckung; in Lyon überdeckt exaltierter Frohsinn die mörderischen Zwischentöne in «Barbe-Bleue».