Wie sehr mögen Sie eigentlich Ihre Stimme?
Ich mag sie. Ich habe eine ausgesprochen persönliche Beziehung zu ihr. Vielleicht zur Verdeutlichung: Es gibt sehr professionelle Sänger, die ihre Stimme handhaben wie ein Instrument. Damit tue ich mich schwer. Meine Stimme ist wie ein guter Freund. Wenn sie krank ist, dann geht’s mir auch schlecht. Weil ich diesen Zustand nicht gut ertragen kann. Das kann man unprofessionell finden, aber bei mir ist es so. Ich bin sehr unzufrieden, wenn mir etwas stimmlich nicht gelingt. Allerdings steht die Stimme während einer Aufführung im Dienst der Figur. Deshalb kann ich auch nicht ständig über ihren Zustand nachdenken, sie erfüllt einen Zweck. Wenn also der Zweck eines hohen Tons erfüllt ist, dann endet dieser Ton. Er ist kein Selbstzweck. Im italienischen Fach ist das zum Teil anders, gerade im Belcanto. Da dient die Oper dem Präsentieren der Stimme. Das muss ich für mich in Balance bringen – und dies macht mich wiederum kolossal neugierig.
Den Moment des Selbstvergessens auf der Bühne kennen Sie demnach nicht?
Ich erlaube mir diesen Moment nicht. Und ich kann mich nicht entsinnen, dass mir das mal passiert wäre; schon eher im Liedgesang oder im Konzert als während einer Bühnenaktion, wo alles miteinander zusammenhängt und wo größere Abhängigkeiten bestehen.