Direkt ins Herz
Die Tänzerin Maia Makhateli
Maia Makhateli, Sie wurden in eine Tänzerfamilie hineingeboren. Haben Sie eigentlich je für sich in Erwägung gezogen, eine andere Laufbahn einzuschlagen?
Ich glaube, ich wusste schon als Dreijährige, dass ich Tänzerin werden wollte. An der Seite meiner Eltern bin ich ja quasi im Theater groß geworden. Als kleines Mädchen habe ich meiner Mutter stundenlang beim Unterrichten zugesehen. Ich saß hinter der Stange und beobachtete, wie sie die Bewegungen der Tänzerinnen und Tänzer korrigierte. Ja, ich wollte immer schon eine Ballerina werden. Etwas anderes zu machen, kam mir nicht den Sinn. Nie.
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Haben Sie einen bevorzugten Bühnenpartner?
Ich kann eigentlich nicht sagen, dass ich einen Lieblingspartner hätte. Die Frage ist schwierig – jedes einzelne Projekt verlangt nach einem geeigneten Partner. Den absolut perfekten Partner gibt es da nicht. Ich arbeite sehr gerne mit Jakob Feyferlik zusammen: Er ist verlässlich, entspannt auf der Bühne, und seine Energie ist toll. Wir tanzen oft auf Galas zusammen. Es ist sogar schon vorgekommen, dass wir ganz ohne Proben getanzt haben. Schon erstaunlich! Auch Young Gyu Choi ist oft mein Partner, wir harmonieren gut zusammen. Jede Beziehung ist auf ihre Art besonders. Und ich denke, man sollte niemals aufhören zu experimentieren, damit man nicht in einer bestimmten Routine erstarrt. Wenn die Partner wechseln, ist man gezwungen, neue Lösungen zu finden.
Haben Sie eine Lieblingsrolle?
Ohne Frage: John Neumeiers «Kameliendame». Diese geniale Einfachheit! Neumeiers Ballette sind emotional überwältigend, und die Story lässt einen alle Sorgen angesichts möglicher technischer Schwierigkeiten vergessen. Ich interpretiere die Figur einfach wahnsinnig gerne; dieses Ballett trifft mich direkt ins Herz. Außerdem war die Arbeit mit Neumeier extrem anregend und bereichernd für mich. Er ist ein kolossaler Künstler. Wenn ich auf unsere Repertoire-Klassiker schaue, würde ich die Rolle der Odette/Odile an die erste Stelle setzen. Obwohl ich auch die Titelpartie in «Raymonda» liebe. Ich habe sie vor Kurzem getanzt, und die Produktion war ein großer Erfolg für die Kompanie. Es ist einfach eine Paraderolle für jede Ballerina. Auch ein Test in Sachen Stil. Ein künstlerischer Meilenstein.
Das gesamte Interview von Maria Luisa Buzzi lesen Sie in tanz 6/23