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Rezensionen Juni 2021

Pascal Dussapin: «Macbeth Underworld» in Saarbrücken

Pascal Dussapins Musiktheater «Macbeth Underworld», 2019 in Brüssel aus der Taufe gehoben und nun am 18. April 2021 als Deutsche Erstaufführung (und in Koproduktion mit Les Théâtres de la Ville de Luxembourg) am Saarländischen Staatstheater zu erleben, zeigt uns Shakespeares machtgeiles, dem Wahn verfallenes Albtraumpaar als ein Gepann, das sich seiner Sünden bewusst ist, diese aber nicht sühnen kann, weil es keinen Ausweg gibt. Der «Porter» (mit Lust, Wonne und starker Stimme: Algirdas Drevinskas) erlaubt es nicht. Erst noch ein bisschen quälen, damit die beiden auch spüren, wie sich das anfühlt, wenn man selbst zum Opfer erkoren ist.

Ein Glück für die Lady in ihrem adretten grünen Kleid und mit den flammenroten Haaren (Vorsicht, sie kann auch Hexe!) und ihren äußerlich überaus braven Gatten (trat je zuvor ein König in kariertem Flanellhemd und Cordhosen auf?), dass sich Lorenzo Fioroni ihrer annimmt. Der Regisseur verschont das Mörderpaar keineswegs. Aber er gibt ihnen auf Umwegen jene Würde zurück, die sie einstmals, bevor sie ihre grausigen Taten ausheckten, besessen hatten. Diese und ihre Liebe. Fiorini, Meister der grotesk-gargantuesken Übertreibung, glaubt daran. Aber er schenkt den beiden nichts. Lässt sie hilflos suchend durch die Unterwelt taumeln, als seien sie entfernte Verwandte von Gogols toten Seelen. Zwingt sie dazu, sich mit ihrer Identität, mit ihren Taten auseinanderzusetzen, mit ihrer verderbten, deformierten, kaputten Sexualität. Und schickt sie deswegen nochmals auf einen heftigen Horrortrip.

Den gesamten Beitrag von Jürgen Otten lesen Sie in Opernwelt 6/21