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Die Kunst der Karriere

Diana Damrau über die Gratwanderungen einer Opernsängerin

Hatten Sie Angst vor einer «Karrieredelle», als Sie Mutter wurden? Weil man vielleicht zu lange raus ist aus dem Geschäft? Kann man sich Kinder erst mit einem großen Namen erlauben?
Ich war ja gar nicht draußen, es ging ziemlich schnell weiter. Bei mir haben sich diese Fragen deshalb nicht gestellt. Ich hatte zuvor einfach nicht den richtigen Partner getroffen. Das ist ja das Entscheidende bei uns: jemanden zu finden, der dieses verrückte Leben mitmacht. Abgesehen davon gibt es auch Künstlerpaare, die Probleme mit dem gemeinsamen Beruf haben. Wir reden zu Hause relativ wenig über Musik, das ist ganz gesund. Außerdem gibt es so viel anderes Wichtiges. Und das echte Leben, gerade als Mutter, befruchtet auch die Künstlerexistenz. Ansonsten saust man von einem Termin zum nächsten wie eine Maschine, ist nach dem Applaus allein und merkt auf einmal mit 55: kein Mann, keine Kinder und eine Karriere, die vielleicht noch fünf Jahre dauert. Und dann kommt die große Verbitterung über Verpasstes und das ständige Kreisen um sich selbst.

Wenn Sie das alles so reflektieren: Machen Sie sich auch Gedanken, wie einmal das Karriereende verlaufen soll? Ein entspanntes Ausgleiten im Konzertfach vielleicht?
Mein Entschluss steht seit dem Studium fest: Ich höre als Hexe in «Hänsel und Gretel» auf! Fliegend auf einem Besen! Ansonsten gehe ich Schritt für Schritt und versuche das Jetzt, so gut es geht, zu genießen und zu erleben. Und dann sehen wir weiter. Ich bin mir sicher, dass ich später unterrichten werde. Weil wir die Verpflichtung haben, unsere Erfahrungen weiterzugeben.

Werden Sie eine strenge Lehrerin sein?
Es braucht beides: Milde und Strenge, wie beim Reiter und seinem Pferd. Wenn es gilt, ein Hindernis zu überwinden, dann muss man dies nicht nur technisch diszipliniert erarbeiten, sondern auch in liebevollem Umgang mit sich selbst und aus innerem freudigen Antrieb heraus wollen. Alles andere wäre Gift für die Stimme.

Und was ist, wenn Ihre Söhne Sänger werden wollen?
Wenn sie dafür brennen, dürfen sie auf jeden Fall. Jeder Mensch sollte seinen Träumen folgen. Bei uns ist schließlich auch der Weg das Ziel. Wo wir ankommen, weiß doch keiner. Vielleicht finden wir schon ein Ziel auf halber Strecke super. Wir dürfen eben nicht zu bloßen Arbeitsbienen werden. Alex, unser Großer, wurde einmal gefragt, ob er Musik mag. «Klar», sagte er. Und ob er, wie seine Eltern, Sänger werden wolle? Da meinte er: «Ja, aber dann lieber ein professioneller wie Michael Jackson.»

Das gesamte Interview von Jürgen Otten lesen Sie in Opernwelt 6/21