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Funkelnde Fröhlichkeit

Die Schauspielerin Franziska Machens

Für Porträts ist nichts so sehr Gift wie Distanz. Ich hatte mich aufgemacht, über Franziska Machens zu schreiben, weil sie einen der bleibenden Auftritte dieser Saison geschaffen hat: als funkelnde Gothic Queen Célimène in Molières Komödie «Der Menschenfeind» am Deutschen Theater Berlin.

Mit fein gekühltem Witz stellt sie dort eine Femme fatale wider Willen vor, eine junge Frau, der die Männer reihenweise vor die Füße purzeln, wie Motten, die dem Licht zu nahe gekommen sind. Allen voran der Möchtegern-Misanthrop und titelgebende «Menschenfeind» Alceste, den Ulrich Matthes mit der Inbrunst der Verzehrung vor sie hinschleudert. Auf dass sie rücksichtsvoll, doch unbeirrt über ihn hinweg schreitet.

Ich treffe Franziska Machens in einem Italiener bei der Schaubühne, erstmal nur zum lockeren Kennenlernen. Die Porträtanfrage habe sie gefreut, sagt sie: «Ich habe ja nicht unbedingt eine Pole Position.» Wir reden über ihr Aufwachsen in einem Dorf bei Hildesheim, wo sie 1984 geboren wurde, über typische erste Schritte in Theaterjugendclubs, über den Vorsprech-Marathon, bevor sie 2005 an der «Otto Falckenberg» in München als Schauspielschülerin angenommen wird. Plaudern bei Pizza.

Da sie in diesen Tagen mit dem russischen Regisseur Timofej Kuljabin «Fräulein Julie» nach August Strindberg erarbeitet, verabreden wir uns für einen Spaziergang durch die DT-Probebühne. Der Plan ist schon zwei Tage später hinfällig. Die Lichter in den Theatern gehen aus. Auch Dreharbeiten für einen Streifen, in dem Machens erstmals eine größere Film-Rolle spielen sollte, sind erstmal abgesagt. Und das Berliner Theatertreffen, wo sie mit «Der Menschenfeind» aufschlagen sollte. «Es wäre eine so gute Möglichkeit gewesen, dass Leute aus der Branche einen sehen», sagt sie bedauernd, auch mit Blick darauf, dass Ulrich Khuons Intendanz am DT 2022 endet und sie als Ensemblemitglied vor einer ungewissen Zukunft steht.

Wir mailen für ein zweites Treffen hin und her und entscheiden uns schließlich gegen einen langen Skype-Chat und für einen persönlichen Besuch in ihrer Altbauwohnung in Schöneberg. Bob Dylans «Lyrics» stehen im Bücherregal. Auf dem Klavier mit Kopfhöreranschluss liegt Chopin auf. Schumann möge sie lieber, sagt sie. Das Regal nebendran hat sie selbst geschreinert. Während des Corona-Shutdowns wolle sie dort Türen vorbauen; habe sie extra noch im Baumarkt besorgt. Um mich mit Material aus ihrer Zürcher Zeit zu versorgen, hat sie einen Abend lang DVDs gewälzt. «Du warst ja in Zürich eine richtige Knallcharge», habe ihr Freund Moritz Grove (bis vor kurzem auch Schauspieler im DT-Ensemble) gemeint. Franziska Machens wettet nicht auf den Witz, der in solchen Bemerkungen steckt, sie spricht es selbstverständlich weg, in ihrer charakteristisch nasalen Tonlage. Und doch ist das Gespräch von einer einnehmenden Grundfröhlichkeit geprägt, unterschwelliges Lächeln rahmt die Worte.

Das ausführliche Porträt Franziska Machens‘
von Christian Rakow lesen Sie in Theater heute 5/20