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Trauern. Bangen. Hoffen. Und tanzen

In den letzten Wochen hat sich das Leben drastisch verändert. Ich merke, wie ich seither zwischen allen möglichen Gefühlslagen hin und her schwanke: Nicht-wahrhaben-Wollen, Traurigkeit, Wut, Sich-Abfinden ... Immer noch befinde ich mich in einer Art Schockzustand, bin überwältigt von der Tragweite und den unglaublichen Auswirkungen, die ein winziger Virus auf das riesige Netzwerk haben kann, das wir «Gesellschaft» nennen. Er verschont niemanden – Fußballer und Schauspieler ebenso wenig wie Gesundheits- und Pflegepersonal, Politiker oder Popstars. Er kennt keine Unterschiede, ist sozusagen auf die rücksichtsloseste Weise demokratisch.

 

Tänzerinnen und Tänzer entwickeln ganz persönlichen Strategien, um mit dieser beispiellosen Lage umzugehen. Künstler verfügen über schier unglaubliche Widerstandskräfte: Sie spüren das unbändige Verlangen, selbst dann noch schöpferisch Brücken zu bauen, wenn ihnen, wie uns allen jetzt notwendigerweise, Distanz zueinander verordnet worden ist. Manche nutzen soziale Medien wie Instagram, um sich «live» miteinander in Verbindung zu setzen oder online kostenlosen Unterricht oder ganze Vorstellungen anzubieten. Zu wissen, dass man trotz allem noch Bewegungen und Schrittfolgen gemeinsam trainieren und lernen kann, selbst wenn Nähe und körperliche Berührung fehlen, gibt Kraft. Dann müht man sich eben im eigenen Wohnzimmer oder auf dem Küchenfußboden ab und tanzt dort! Mich erinnern solche Initiativen an meine Kindheit, als ich irgendwelche Künstler, die im Fernsehen auftraten, in meinem Zimmer imitierte. Das Ganze hat etwas ungeheuer Berührendes und Herzerwärmendes. Sidi Larbi Cherkaoui

Künstlerischer Leiter des Ballet Vlaanderen und der Kompanie Eastman in Antwerpen

 

Den vollständigen Beitrag finden Sie in tanz 5/20