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Jede Menge Handwerk

Der Bariton Günther Papendell

Ist die Oper eine Art Jahrmarkt der Zurschaustellung von Können?
Nein! Verzeihen Sie mir, aber ich widerspreche heftig: Eitelkeit hat auf der Bühne nichts zu suchen. Sicher geht es einigen Kollegen um das Ausstellen ihrer Fähigkeiten – Fähigkeiten, die natürlich vorhanden sein müssen, damit man sich ganz seiner Arbeit widmen kann. Aber diese dürfen nicht zum Selbstzweck werden, sondern müssen immer der Kunst dienen! Wir sind in erster Linie den Werken verpflichtet und diesen in gewisser Weise auch ausgeliefert.

... vor allem den Inszenierungen dieser Werke ...
Ja, auch das. Ich wurde beim Publikumsgespräch nach einer Vorstellung von Henzes Oper «The Bassarids» gefragt, wie ich damit umgehe, dass die Rolle des Pentheus so unglaublich emotional aufgeladen sei. Meine Antwort darauf war für den Fragesteller vermutlich ziemlich enttäuschend, ist aber die ehrlichste, die ich geben kann: Ich kriege von dem, was ich auf der Bühne mache, bei Weitem nicht so viel mit wie der Zuschauer. Ich verrichte meine Arbeit, ich singe und spiele. Für den Moment mag es lohnenswert sein, tief in seiner Rolle zu sein, aber ich schleppe meinen König Pentheus nicht mit zum Applaus.

Sprich: Sie sind aus der Figur bereits in dem Augenblick hinausgetreten und wieder Sie selbst, wenn der letzte Akkord durch den Saal rauscht?
Auch wenn es merkwürdig klingen mag – so ist es.

Die Emotion ist also nicht in Ihnen drin, sondern sie strahlt nur nach außen? Das klingt fast nach einstudierten Affekten.
So kategorisch würde ich das auch nicht sagen. Erst einmal ist es jede Menge Handwerk. Wenn man nicht über genügend Technik verfügt, wird man nicht alt in diesem Job. Man muss gerade als Opernsänger viel mit Emotionen jonglieren. Ich bin ein sehr emotionaler und sehr impulsiver Mensch – was allerdings vor allem meine Familie merkt, während ich in der Öffentlichkeit meist bewusst sehr introvertiert bin.

Sie nutzen die Bühne auch und gerade, um Ihre Gefühle auszuleben?
Sagen wir es so: Ich nutze den geschützten Rahmen eines Bühnenraums, um auch mal aus mir herauszugehen und Sachen zu machen, die ich sonst nicht mache.

Das gesamte Interview mit Günther Papendell
von Jürgen Otten lesen Sie in Opernwelt 5/20