Inhalt

Große Geschichte

Die Berliner Staatskapelle feiert ihren 450. Geburtstag

Eine ganze Reihe von prominenten Dirigenten-Komponisten hat mit der Berliner Hofkapelle gearbeitet und ihre Klangkultur geprägt. Spontini war die Zentralgestalt über rund zwei Jahrzehnte, bevor mit Felix Mendelssohn Bartholdy und Giacomo Meyerbeer just in jenem geschichtsträchtigen Jahr 1842 – als nicht nur die Wiener Philharmoniker und das New York Philharmonic Orchestra gegründet wurden, sondern eben auch die Symphonischen Konzerte der Berliner Hofkapelle – gleich zwei Protagonisten des internationalen Musiklebens als Generalmusikdirektoren in die preußische Kapitale berufen wurden, Meyerbeer für die Oper, Mendelssohn für die Kirchenmusik.

Beiden war es letztlich nicht vergönnt, sich wie gewünscht künstlerisch zu entfalten, ebenso wie Richard Wagner, der mehrfach die Hofkapelle dirigiert hat, etwa bei den Einstudierungen seines «Fliegenden Holländers» 1844 und seines «Rienzi» 1847. In den 1870er-Jahren sollte er noch mehrfach nach Berlin zurückkehren, für Konzerte und Opernvorstellungen. Zudem hat ein direkter Mendelssohn- und Wagner-Zeitgenosse gewichtige, wenngleich kurzlebige Spuren am Opernhaus Unter den Linden und beim Orchester hinterlassen: Otto Nicolai, der hier in doppelter Funktion als Hof- und Domkapellmeister seine komisch-fantastische Oper «Die lustigen Weiber von Windsor» 1849 zur Uraufführung gebracht hat, den sich abzeichnenden Erfolg aufgrund seines frühen Todes aber nicht mehr miterleben konnte.

Weit kontinuierlicher wurde es einem weiteren dirigierenden Komponisten (bzw. komponierenden Dirigenten) möglich, in Berlin zu wirken. Mehr als 1200 Opern- und Konzertvorstellungen hat Richard Strauss mit der Berliner Hof- bzw. Staatskapelle geleitet, von 1898 bis in die 1930er-Jahre hinein. Er hat die gewachsene Beethoven-Tradition fortgeführt, aber spürbar eigene Akzente gesetzt, mit der Aufführung von Werken Bruckners und Mahlers etwa, aber aus naheliegenden Ambitionen heraus auch mit eigener Musik.

Strauss, der 1908 den seinerzeit berühmten Felix von Weingartner als Hauptdirigent der Symphoniekonzerte beerbte, ist zudem einer jener Künstler, deren Arbeit mit der Kapelle bereits in Tonaufnahmen greifbar ist. Ausgewählte Mozart- und Beethoven-Symphonien hat er ebenso mit dem Orchester eingespielt wie eine Serie seiner Tondichtungen, von 1916 an bis 1933. Die spieltechnische Souveränität, ja Virtuosität der Kapelle kommt hierbei ebenso zur Erscheinung wie das Vermögen, groß dimensionierte melodische Bögen zu spannen und ein hohes Maß an Expressivität zu erzielen, mit vollem, ausdrucksgesättigtem Klang.

Das gesamte Porträt der Berliner Staatskapelle
von Detlef Giese finden Sie in Opernwelt 4/20.