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Faustische Medientipps

Wie klingt Goethes Faust?

Anton von Radziwill

Berlioz und Gounod, Liszt und Wagner hat man im Ohr, wenn man an Faust in der Musik denkt: Romantische Deutungen auf Goethe-Basis. Doch angefangen hat alles ganz anders: Wenn Goethe selbst sich Musik dazu vorstellte und «das Abstoßende, Widerwärtige, Furchtbare, was sie stellenweise enthalten müßte, der Zeit zuwider», kam er zu dem Schluss: «Die Musik müßte im Charakter des Don Juan sein.» Nur Mozart war ja schon tot. Goethes Fachmann für Musik, Carl Friedrich Zelter, wollte nicht, schlug aber Fürst Anton von Radziwill vor, der sich 1808 an die Arbeit machte und ein Oratorium erstellte. In enger Zusammenarbeit mit Goethe, dem er 1814 erste Ergebnisse vorsang. Goethe pries ihn als «wahren Troubadour» und sein Werk als eine «geniale, uns glücklich mit fortreißende Composition».

Carl Eberwein

1829, zu Goethes 80. Geburtstag, fand die Weimarer Erstaufführung des Faust statt. Natürlich, wie damals im Schauspiel üblich mit Musik. Die hatte Carl Eberwein komponiert, obwohl sich Goethe über sein Talent nicht positiv geäußert hat: «Des jungen Mannes, Talent kennst du, es ist ein geerbtes, äußeres und mit nichts gefüttert, weder mit Charakter, noch Liebe, weder mit Gefühl noch Geschmack. Deswegen klebt's mit Luft an der Erbe und begreift nicht warum es sich nicht vom Boden heben kann», schrieb er 1816 an Zelter.

Aber naja, Goethes Musikgeschmack: Ein Jahr später ignorierte er die Lieder, die ein gewisser Schubert auf seinen «Erlkönig» und «Gretchen am Spinnrad» gemacht hatte…

Alfred Schnittke

Ganz abseits von Goethe legte Alfred Schnittke 1995 seine Oper «Historia von D. Fausten» vor. Rainer Wagner schrieb dazu in Opernwelt 8/21995: «Die 1983 uraufgeführte Faust-Kantate 'Seid nüchtern und wachet', die den dritten Akt der Oper bildet, liefert die stärkste Musik. Da darf der Teufel schon mal Tango tanzen, legen Mephostophiles und Mephostophila ein Schnulzenduett hin, mit dem Deutschland beim nächsten Grand Prix mehr als nur einen Punkt erobern könnte. Hier hat die Musik Pranke.»