Rezensionen März 2022
Foto: Ida Zenna
Annett Göhre: «Marie! Romy! Petra!» in Zwickau
Drei quadratische Kästen schälen sich aus dem Dunkel. In der mittleren Kammer blinzelt eine Frau in verspiegelte Wände. Sie trägt rote Hosen, schwarzes Top, eine modisch selbstbewusste Montur. Trotzdem wirkt sie verunsichert und einsam. Sekunden später öffnen sich Wandschlitze, gierige Hände drängen herein. Nicht zwei oder drei, sondern acht, neun, zehn. Sie werfen Schatten, verdoppeln sich in den Spiegeln, schlängeln und züngeln nach der Frau, die sich wie ein schutzloses Tier verkriechen will. Aber da ist kein Platz, kein Ort, den die Zudringlichkeit nicht erreicht. Also stürzt die Bedrängte aus der Box, hastet pfeilgerade an die Rampe, wo eine Ballschönheit in elfenbeinfarbener Robe posiert: höfische Position, elegant gespreizte Armhaltung, starre Körperschablone. Der Versuch, das Prinzesschen beiseite zu schaffen, scheitert. Selbst ein Fußtritt bringt das Kunstwesen nicht zur Strecke. Es bleibt übermächtig, übermenschlich, unsterblich. Nicht totzukriegen.
Die gesamte Rezension von Dorion Weickmann lesen Sie in tanz 3/22