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Licht und Schatten

Ein Porträt des Tänzers Vadim Muntagirov

Vadim Muntagirov ist nicht das, was die meisten Menschen spontan als «sexy» bezeichnen würden. Und doch strahlt er eine eigenwillige, magnetische Anziehungskraft aus, eine gewisse Aura der Spiritualität, die auch auf seinen tadellosen Umgangsformen beruht – auf dem, was man mit dem altmodischen Wort «Schicklichkeit» bezeichnen möchte. 

2006 gewann er mit dem silbernen «Prix de Lausanne» ein einjähriges Stipendium: «Ich konnte wählen zwischen der Waganowa-Akademie, der John-Cranko Schule in Stuttgart oder der Royal Ballet School in London. Zuerst war ich unschlüssig. Doch dann ermunterten mich Benjamin Ella und Sergei Polunin, die ebenfalls in Lausanne anwesend waren, mich für London zu entscheiden. Geplant war eigentlich nur ein Jahr, doch ich verliebte mich in die Stadt. Stellen Sie sich vor, man durfte das Licht anlassen, so lange man wollte! Das hatte ich noch nirgendwo erlebt.

In Russland wurde das Licht um neun Uhr abends ausgeknipst. Für mich begann quasi ein komplett neues Leben, mit Computer, mit iPad ... Die Schule an sich fand ich anfangs extrem hart, zuerst mochte ich sie ehrlich gesagt gar nicht. Ich hatte das Gefühl, einen Rückschritt zu machen. In Russland hatte man von Anfang an die volle Aufmerksamkeit seitens der Lehrer. Gute Schüler, wie ich einer war, wurden wie zukünftige Principals behandelt und fühlten sich schon deshalb verpflichtet, kontinuierlich besser zu werden. Allerhöchste Ambitionen hatten aber nur ein, zwei Tänzer, und auf die konzentrierten sich dann schließlich die Lehrer. In London dagegen war ich plötzlich von so vielen Studenten umgeben, die erstklassige Balletttänzer werden wollten, dass ich die Konkurrenz als extrem hart erlebte.»

Das gesamte Porträt Vadim Muntagirovs
von Mike Dixon lesen Sie in tanz 3/20