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Medien-Tipps #4

Passion von Telemann; «The Lovers’ Garden»

Telemann: Passion (1722)

Für alle, die den Karfreitag einmal mit anderer Musik als Bachs Matthäus- oder Johannes-Passion verbringen wollen, bietet gerade noch rechtzeitig vor Ostern das Freiburger Barockorchester die Lösung: Telemanns «Das selige Erwägen des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi» - eine von ungefähr 60 Passionen, die der Hamburger Musikdirektor komponierte. 1722 erklang sie erstmals. Und da es bei Telemann keine dramatische Erzählung gibt wie bei Bach, sondern eine Reihe andächtiger Betrachtungen, kommt das Leiden wesentlich leichtfüßiger daher. Geradezu fröhlich geht es in der 5. Arie zu, sehr kämpferisch ist noch der gekreuzigte Christus, der mit einem Staccato der Flöten ans Holz geschlagen wird. Naiv, aber schön! Und wie wundervoll wichtigtuerisch Kaiphas ist, dem Jesus machtvoll-königlich entgegentritt! Wie die Selbstanklage Petri alsbald der Furcht vor der Hölle weicht, aber der Glaube spendet sogleich Trost - das ist großartig musiziert, man kann sie direkt vor sich sehen, die Hamburger Bürger, wie sie der Andacht höchsten Kunstgenuss abgewinnen. Entspannter und hoffnungsvoller als zu «Jesus spannt die Gnadenflügel» kann man kaum beerdigt werden. Und die Choralsätze müssen sich vor dem alten Bach auch nicht verstecken.

Klemens Hippel

Telemann: Das selige Erwägen des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi
Anna Lucia Richter, Hanna Zumsande, Julienne Mbodjé, Colin Balzer, Michael Feyfar, Peter Harvey, Konstantin Wolff, Freiburger Barockorchester, Gottfried von der Goltz
Aparté AP 175

DVD: The Lovers’ Garden

Ein verliebtes Paar, ein Birkengehölz, von Zauberhand bewegte Hecken, dazu Mondschein in schwüler Sommernacht und Streichquartett-Sätze vom großen Wolfgang Amadeus: Fertig ist der Mittsommernachts-Mozarttraum, den das Ballett am traditionsreichen Teatro alla Scala in Mailand 2016 beschwor, eine der raren Uraufführungen in der kurzen Direktionszeit von Mauro Bigonzetti.

«The Lovers’ Garden» nennt sich die geschmackvolle Kreation von Massimiliano Volpini. Im Original ist das natürlich «Il Giardino degli Amanti», was nach Konfektwerbung klingt. Nicht von ungefähr, obwohl die Vorbilder von Ashton über Balanchine und Neumeier übermächtig durch Blätter und Geäst schimmern. Aber der ehemalige Scala-Tänzer Volpini verwandelt das charmant in eine italienisch elegante Design-Mischung. Herzen und Schmerzen bleiben fein poliert an der Oberfläche, wenn sich das Liebespaar mit Figuren aus Mozart-Opern konfrontiert sieht, die sich allerdings nur durch Lektüre des Programmhefts entschlüsseln lassen. Selbst die Königin der Nacht reißt keinen Abgrund auf. Und doch schaut man eben knapp neunzig Minuten gerne zu, weil die makellos bella figura machenden Startänzer Roberto Bolle und Nicoletta Manni unwiderstehlich sind.

Manuel Brug  

Massimiliano Volpini: «The Lovers’ Garden», Teatro alla Scala;  
www.cmajor-entertainment.com