Rezensionen Februar 2023
Goyo Montero «Goldberg» in Nürnberg
Goyo Montero ist ein Eklektiker. Das zeigt sich auch in den knapp eineinhalb Stunden von «Goldberg». Der Choreograf setzt Versatzstücke, Szenen, Ahnungen und Aussagen aneinander. Überblendet sie. Benutzt sie. Es gibt Eindeutiges wie etwa das Rennen mit angezogenen Ellbogen, das Schnelligkeit demonstrieren soll, obwohl die Bühne viel zu klein ist für diese Art von Rasanz. Schlafszenen rahmen eine albtraumhafte Sequenz: Hinlegen, ein bisschen herumwälzen, aufschrecken, zurücksinken. Auch Abstrakteres hat Platz. Etwa ein Frauen-Duo, in dem sich langsam und besonnen Begegnungen einstellen, aber immer mit einer ganzen Bühnendiagonale Abstand zueinander. Dann wieder präsentiert Montero ein Spiel mit der Bach’schen Polyphonie, die er auf die Bewegungen einer Gruppe überträgt. Die Formstrenge erinnert fast an William Forsythes «Artifact II».
Zu all diesen Eindrücken gesellt sich noch das Spiel mit Horror und Trompe-l’œil: Nach dem Albtraum bleibt nur ein Tänzerkörper im Gegenlicht als Schatten auf der Bühne übrig. Er wirkt seltsam monströs, mit verschobenen Proportionen, irgendetwas stimmt hier nicht – und dann die Überraschung: Aus dem Körper löst sich wie von Geisterhand ein zweiter heraus, der dahinter verborgen war.
In der Mitte von «Goldberg» sitzt die große und besonders starke Albtraumsequenz. Die Musik hat sich zu einer Art Trauermarsch gewandelt, die Kulissen kommen näher, der Bühnenraum wird kleiner, beklemmender, einengender. Die Gedanken fokussieren sich, Perspektive und Weitsicht verlieren sich, das Licht wird rot. Die Figuren schreiten, suchen. Spiegeln sich wie Geistererscheinungen hinter und vor den Plastikvorhängen. Später gibt es pantomimische Panik – die Hälfte der Gruppe geht zu Boden, wird von den Übrigen beatmet, mit Herzmassagen versorgt oder schon betrauert.
Den gesamten Beitrag von Rita Argauer lesen Sie in tanz 2/23