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Rezensionen Februar 2022

Luca Afflitto & Achille De Groeve, Foto: Gregroy Batardon

Christian Spuck: «Monteverdi» in Zürich

«Monteverdi» ist ein weiterer Abend in der Reihe der Musiktheater, die Christian Spuck am Opernhaus Zürich als eigene Theaterform entwickelt hat. All diesen Arbeiten ist gemeinsam: Sie sprechen von einer abgrundtiefen Traurigkeit. Und sie sind von berückender und bedrückender Schönheit.

Das gilt auch für den Monteverdi-Abend. Spuck hat viel Traurigkeit in den Madrigalsammlungen gefunden. Die meisten Passagen stammen aus dem Siebten und Achten Madrigalbuch, dazu das Opernfragment «Lamento d’Arianna». Erzählt wird von Verlust, Verlassensein, Vereinsamung, Weltverlorenheit. Das berühmte «Lamento della ninfa» beklagt den Liebesverrat, ebenso das «Lamento d’Arianna», während «Con che soavità» die Unmöglichkeit bedauert, gleichzeitig sprechen und küssen zu können, also den Zwiespalt von Geist und Körper. Die Arbeit des Ballett Zürich sei auch als eine Art Untersuchung über das Wesen der Melancholie zu verstehen, sagt Spuck im Programmheft zur Produktion: über die Frage nach den Gefühlszuständen, den verschiedenen Facetten von Melancholie.

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Paartänze nehmen viel Raum in diesem Ballett ein, eigentlich zu viel. Man mag den Paaren, die sich laufend umeinander drehen, die einander heben, sich auseinander drehen, die Weltverlorenheit nicht so richtig abnehmen. Wohl aber Michelle Willems im «Lamento della ninfa». Während die Sopranistin Lauren Fagan herzergreifend den Liebesverrat beklagt, wird Michelle Willems von Tänzer zu Tänzer gereicht. Ihr Tanz folgt nicht den aufwühlenden Gefühlen des Vokalstücks, sondern nimmt dessen Struktur auf, das Verweben der Klage des Soprans mit den Kommentaren von Tenören und Bass, und wirkt gerade darin authentisch. Welch intelligente choreografische Lösung für das populäre Vokalstück!

Die gesamte Rezension von Lilo Weber lesen Sie in der Februarausgabe von tanz