Zwischen Apokalypse und Slapstick
Der Regisseur als Entdecker
Für Kupfer waren Partitur und Bühnen-Realität wie Yin und Yang: ineinander verschlungen, nicht aber identisch oder auch nur parallel. Einen Spieler, gar dadaistischen Provokateur konnte man ihn gewiss nicht nennen, auch wenn er sogar Musicals inszeniert hat, in Wien, wo man sein «Ring»-Konzept allerdings torpedierte.
Er nahm die Werke ernst, entdeckte in ihnen die condition humaine wie das Wetterleuchten historisch-politischer Katastrophen: der Krieg als Verderber allen Lebens. So ist in Richard Strauss’ «Elektra» nicht die Tochter die Hauptfigur: Als riesiger Torso mit zerfressenen Armen überragt der Stiefel-Agamemnon einen brüchigen Globus, herabhängende Seile strangulieren schließlich Elektra. In Stuttgart realisierte Kupfer geradezu eine Militär-Trilogie, in der sich Mozarts «Idomeneo»-Elettra ersticht, Bergs «Wozzeck» zum Totentanz wurde und Zimmermanns «Soldaten» zur makabren Revue mutierten.