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Rezensionen 8. Februar

Heidelberg: Pérez «Impression»

Am 12. Februar, 3., 9., 11., 30. März im Theater

Seine Vorgängerin Nanine Linning liebte das Dekorative, die großen, effektvollen Bilder. Heidelbergs neuer Tanzchef Iván Pérez scheint eher ein Choreograf des Intrikaten, Stillen, Melancholischen zu sein. Nachdem er sich den Heidelbergern im Spätsommer mit einer Performance im Freien vorgestellt hatte, folgte nun im Marguerre-Saal das erste abendfüllende, knapp zweistündige Stück seiner Amtszeit. «Impression»- ist ein sehr vager Titel, aber die im Programmheft genannten Themen – Millennials, technologische Veränderungen, Informationsflut, bedrohte Privatsphäre – kann man auf der Bühne ohnehin nur entdecken, wenn man die Texte vorher gelesen hat.

Pérez, geboren 1983, ist ein Feinzeichner der Bewegung. Er variiert ein ums andere Mal im Kleinen, Bodennahen, er verändert behutsam, hat wohl kein Bedürfnis, das Dutzend Tänzerinnen und Tänzer sich auch einmal recken und strecken, entschieden nach oben streben, gar hochspringen zu lassen. Seine Millennials wirken, als seien sie vom Leben bereits erschöpft. Sie ziehen sich zurück auf einer oft halbdunklen Bühne, sie sinken, gleiten zu Boden, rollen langsam über eine Schulter und immer nach hinten ab. Mal verknäueln sich zwei der Frauen, aber es ist weniger ein Ringen als ein leicht verträumtes Über- und Umeinanderkriechen. Oft ist der Mensch vereinzelt, gebeugt, müde. Schwung und Energie gehen ihm ab.

Besonders vor der Pause liegt das Ensemble für längere Zeit auf dem Rücken und wirkt dann ein bisschen wie eine nachdenklich-verhalten übende Wasserballett-Truppe. Die Arme, vor allem aber die Beine neigen, spreizen, knicken sich im Gleichklang ab. So entstehen Muster und Figuren, mit Hilfe von Laserpointern tanzen zwischendurch auch Lichtpunkte recht neckisch. Beides zielt aber nicht aufs Spektakuläre, die ganze Choreografie trägt – wie die Akteure – gedämpfte, blasse Farben (Kostüme von Carlijn Petermeijer).

Es ist vor allem die Auftragskomposition des Katalanen Ferran Cruixent,- gespielt vom Orchester Heidelberg, die selbstbewusste atmosphärische Zeichen setzt. «Impressionen 01-10» probiert alles aus, vom zarten Harfenplinkern bis zum tiefen Trommelwummern, vom melodramatischen Grollen bis zum nervösen Wimmern. Es ist, als habe Iván Pérez dem Komponisten getrost die heftigeren Gefühle überlassen, während seine Bewegungssprache stets maßvoll bleibt – und dadurch für den Betrachter auf Dauer etwas erschöpfend wirkt.

Im Gedächtnis bleibt das durchaus einfallsreich Ausgeführte und Detaillierte, aber eben auch das Monochrome. Ungewiss, ob Iván Pérez sich absichtlich zurückgehalten hat, oder ob er gar nicht der Mann für grelle Töne und theatrale Effekte ist. «Impression» ist ein Winterstück. Mal sehen, was im Frühling in Heidelberg passiert.

Sylvia Staude

www.theaterheidelberg.de/produktion/impression/