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Aus Licht und Farbe

Die legendäre Tänzerin Loïe Fuller

Marie Louise Fuller (1862 – 1928) entdeckte in den innovativen Technologien der damaligen Zeit neue Möglichkeiten für die Bühne. Das Paris an der Wende zum 20. Jahrhundert war ein Nährboden der Kreativität. Die neuesten Erfindungen wie elektrisches Licht, das Automobil und das Kino inspirierten die junge Frau. Auch experimentierte sie mit fluoreszierenden Salzen und imprägnierte damit Seidenstoff. So kreierte sie Licht- und Farbeffekte, um ihre Tänze zum leuchtenden Spektakel zu erhöhen, eindrucksvoll nachzuempfinden, wenn man die teilweise kolorierten Fotografien und Filmstills, u. a. der Brüder Lumière, betrachtet.

Loïe Fuller erfand den Serpentinentanz: Angestrahlt von farbigem Licht und Projektionen der Laterna Magica, breitete sie im Dunkel des Zuschauerraums die Arme aus, drehte sich von einer Seite zur anderen und ließ ihre Arme mit ausladenden Bewegungen kreisen. Dabei formte sie die Geometrien der Natur nach und verwandelte sich unter fließenden Stoffbahnen aus Seide in einen Schmetterling, eine Blume oder in Meereswellen. Der Trick: In die Ärmel hatte sie Bambusstäbe eingenäht, sodass die Spannweite ihrer Arme bis zu sechs Metern betrug – eine ungeheure körperliche Anstrengung. Ihre multimediale Magie vervollständigte zeitgenössische Musik, etwa Werke von Claude Debussy. Cancan-Tänzerinnen und russische Ballerinen, damals en vogue, waren passé. «La Loïe» elektrisierte die Menge und wurde über Nacht zur Muse der Pariser Avantgarde – Jugendstilkünstler, Symbolisten, Futuristen, Wissenschaftlerinnen. Als Kultfigur der Belle Époque zählte sie Persönlichkeiten ihrer Zeit wie Pierre und Marie Curie, Thomas Edison, Stéphane Mallarmé, Alexandre Dumas und vor allem Rodin und Toulouse-Lautrec zu ihren Freunden. Jean Cocteau nannte sie «das Phantom einer Epoche». Nach Paris eroberte das Multitalent Europa, war mit seiner Truppe überall präsent, aber nicht fassbar. Ständig experimentierte Fuller mit neuen Technologien. Ihre Popularität war so groß, dass sie in den Zeitungen und Zeitschriften ein Dauerthema war, Mode- und Frisurentrends sowie Werbekampagnen inspirierte: Produkte wie Lockenwickler, Schals oder Unterwäsche wurden mit ihrem Namen beworben.

«Loïe Fuller Superstar – Tänzerin aus Licht und Farbe» bis 30. Januar im Clemens Sels Museum Neuss; www.clemens-sels-museum-neuss.de;

Den gesamten Beitrag von Bettina Trouwborst lesen Sie in der Januarausgabe von tanz