Inhalt

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Werden Sie Abonnent des TheaterMagazins
  • Aktuelle TheaterMagazin-Artikel online lesen
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv (ab Oktober 2017)

Sie können alle Vorteile des Abos sofort nutzen

Ritter Kylian und sein Marco

Von Hartmut Regitz

Wer wünscht sich nicht, zu den Unsterblichen zu gehören? Jirí Kylián ist künftig einer von ihnen, und das nicht allein aufgrund seiner zeitlosen Arbeiten, die sich nach wie vor auf den Ballettbühnen dieser Welt wiederfinden. Am 13. März wird der langjährige Künstlerische Leiter des Nederlands Dans Theater in den illustren Kreis der Académie des beaux-arts aufgenommen – das ist eine Ehre, die bisher nur einem einzigen Choreografen zuteil geworden ist: Maurice Béjart.

Kylián weiß denn auch die Würdigung seiner Person und seines Œuvres zu schätzen. Umso mehr, als sie verbunden ist mit der Einrichtung einer «section de choréographie», die den Tanz endlich auf eine Augenhöhe mit den anderen Künsten hebt. Nicht ohne hintergründigen Humor unterwirft er sich deshalb einem Aufnahmeritual, das sich den Anschein von Antiquiertheit gibt, aber damit eben auch das Außergewöhnliche der Inauguration betont. Das heißt, er kleidet sich in das reich ornamentierte, zeremonielle Kostüm, das nicht einer gewissen Komik entbehrt. Und er lässt sich nach seinen Vorstellungen ein Schwert schmieden, dessen Griff an seine eigene Tätigkeit erinnert. Wie das aussehen könnte, wird man erst dann erfahren, wenn Kylián gut gegürtet damit den Parnass besteigt. Einige der namhaftesten Kollegen wollen Kylián auf seinem Weg in die Unsterblichkeit ein Stück weit begleiten. Als Zaungast seinen Aufstieg miterleben zu können, wird sicher alle Anstrengung lohnen.

Wie Jirí Kylián (William Forsythe, John Neumeier, Uwe Scholz und all die anderen) hat sich einst auch Marco Goecke im Rahmen einer Nachwuchsveranstaltung der Stuttgarter Noverre-Gesellschaft erstmals dem Urteil der Öffentlichkeit gestellt. Jahrelang gleichzeitig Hauschoreograf des Stuttgarter Balletts und Associate Choreographer des Nederlands Dans Theater, hat er mit der Zeit eine ganz und gar eigene, unverwechselbare Bewegungsweise entwickelt, die das Innerste nach außen kehrt, zugleich etwas dämonisch Dunkles hat und erschreckend Vertrautes. Unvergessen bleibt sein «Orlando» nach der Erzählung von Virginia Woolf für das Stuttgarter Ballett, weltweit erfolgreich war sein «Nijinski» für Gauthier Dance. Entsprechend groß sind die Erwartungen, die sich an sein Engagement an der Staatsoper Hannover knüpfen. Dort debütiert er im August als Ballettdirektor, und da muss er sich von Anfang an gleich mit einem der Größten messen: am Choreografen Marco Goecke. Dessen Eigenart ist anerkannt. Als Leiter eines Ensembles braucht es etwas mehr; er trägt die Verantwortung für ein Ganzes. So wie das einst Jirí Kylián beispielhaft gelungen ist.