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Reine Poesie

Ein Starfotograf lässt den Mythos des Balletts wieder aufleben

Bilder von Julien Benhamou

Bilder die man nur geträumt zu haben glaubt. Stars des Pariser Opernballetts von Léonore Baulac bis François Alu, von Marie-Agnès Gillot bis Hugo Marchand standen Modell für Benhamous «La Poésie du Mouvement». Jedes Bild ist ein Porträt, jedes könnte als Gemälde im Louvre hängen. Benhamous Kamera kann Chiaroscuro, kann Barock, Rokoko, Romantik und Erotik, sieht den Körper mal wie eine Skulptur von Rodin, mal wie ein Objekt von Helmut Newton. 

Als offizieller Opernfotograf hat Benhamou Zugang zu allen Räumlichkeiten der Pariser Musiktempel, von der zentralen Marmortreppe bis zu den Requisitenlagern. Nicht alle seine Models kommen von der Opéra, doch alle sind Stars auf ihre Art. Benhamou lässt sie mit ihrer Umgebung, mit einem Stil, mit Natur, Architektur verschmelzen – oder mit Stoffen.

Durch Perfektion bis ins letzte Detail überhöht der Fotograf den stilistischen Pleonasmus aus Körper, Kostüm und Dekorum, bis daraus eine Lektion in Bildender Kunst wird. Er sucht aber auch das Überraschungsmoment eines unerwarteten Kontrasts und findet dabei zu stilistischer Erfüllung. «La Poésie du Mouvement» ist wie eine Galerie, ein visuelles Monument. Die Namen der Tänzer findet man erst im Anhang, unter den Miniaturen. Nichts Weltliches stört beim Anbeten der Tanzgottheiten. 

Thomas Hahn

Julien Benhamou: «La Poésie du Mouvement», Paris, Incarnatio Editions 2018; 50 €.
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