Das neue Jahr fängt sehr gut an, soviel steht fest: Am 19. Januar tritt Horst Seehofer, der trickreiche Polittaktierer und Gelegenheitspopulist, zumindest als CSU-Vorsitzender zurück. Keiner hat wie er im abgelaufenen Jahr kurzfristige Wahlkalküle über seine Regierungsverantwortung gestellt. Die Wähler haben die CSU dafür erfreulicherweise abgestraft, was nicht nur ein Anlass zur Schadenfreude ist, sondern auch für einiges Vertrauen in die Demokratie sorgt. Seehofers Abschied ist ein erster Grund für 2019er Optimismus und die Hoffnung, dass dieses Ende ein Anfang von weiteren Enden sein wird, zumindest mittelfristig. Kandidaten gäbe es zur Genüge: die offen kunstfeindliche und reaktionäre PiS-Regierung in Polen, die italienischen Populisten um Salvini und Di Maio, die englischen Brexiteers, denen vielleicht doch noch ein zweites Referendum in die Quere kommen könnte.
Aber langsam. Vor der großen Politik kommt die kleine, die Verständigung einer Gemeinschaft darüber, was ihr gemeinsames Wohl sein könnte – vor allem in einer liberalen offenen Gesellschaft, deren Mantra bekanntlich darin besteht, dass die größtmögliche Freiheit aller schon irgendwie auch zur maximalen Glücksentfaltung der Beteiligten führen müsste. Wobei die Basis der Gemeinsamkeiten mit zunehmenden Freiheiten bekanntlich zu dramatischer Schmelzschrumpfung neigt.
Zur Vermessung der Quadratur dieser Kreise gibt es in Deutschland jenseits aller ökonomischen Logik nicht nur Talkshows, sondern auch viele Stadt- und Staatstheater, in denen eine Kommune sich und die ganze Welt – oder was sie davon zu wissen glaubt – allabendlich noch einmal repräsentieren kann: Sei es, um sich mit etwas Darstellungsabstand noch einmal aus anderer Perspektive selbst zu betrachten; sei es, um Teilen von sich jenen Erlebniskontakt mit anderen Teilen zu verschaffen, der in einer zunehmend auseinanderklaffenden Gemeinschaft immer mehr flach fällt.