Drei Tanzfiguren des Künstlers Yinka Shonibare
Griechische Götter brauchen Waffen. Einen Dreizack, eine Leier, einen Blitz. So stellen sie die bekannten Naturgewalten dar, als Götter der Stürme, der Künste und des Schicksals aber wer kommt schon darauf, eine Balletttänzerin als Naturgewalt zu betrachten? Zeus trägt hinterrücks eine Pistole, Apollo einen Degen, Poseidon einen Dolch. Diese Götter sind unmissverständlich weiblich, sie sind wehrbereit und angriffslustig. Yinka Shonibare, britischer Künstler mit nigerianischen Wurzeln, sieht sie als zornige Statthalter vor dem Hintergrund sämtlicher Krisen, vom Klima bis zum Kapitalismus.
Modell gestanden hat ihm die Irin Melissa Hamilton vom Royal Ballet. Derzeit beglückt sie die Dresdner Semperoper (tanz 8-9/15). Bei Shonibare ist ihr Tutu aus afrikanischem Tuch gewirkt, ihr Spitzentanz in Fiberglas verewigt. Beides solle, so Shonibare, auf den Viktorianismus, das koloniale Erbe verweisen. Statt eines Gesichts thront die Erde auf ihrem Körper. Denn niemand kann die Welt außerhalb der Welt denken. Nur durch unsere Vorstellung von Göttern, die diese Erde erschaffen, mit ihr spielen, sie wahlweise auch vernichten oder gebären, erkennen wir Götter überhaupt an, nämlich als Ebenbilder des Menschen. Weil wir genau dasselbe machen.