Eine Frau für alle Zimmer
Auf Tripadvisor hätte das Hotel Strindberg schlechte Karten. Die Zimmer sind zwar auf Vier-Sterne-Niveau ausgestattet, aber leider nur über ein Notstiegenhaus zu erreichen; der Aufzug ist nämlich schon seit Jahren defekt, und anscheinend denkt man gar nicht daran, ihn reparieren zu lassen. Auch, dass es sich im Prinzip um ein Nichtraucherhotel handelt, wird hier offensichtlich nicht so eng gesehen. «Man tut sein Bestes», sagt der Concierge Xavier (Roland Koch) nur achselzuckend, wenn er von einem Gast auf den Zigarettengeruch hingewiesen wird.
Die User-Bewertungen für dieses Etablissement wären wohl existenzgefährdend.
Im Hotel Strindberg kann man aber ohnedies kein Zimmer buchen. Erstens ist es voll belegt, und zweitens steht es nur auf der Bühne des Wiener Akademietheaters. Drei Jahre nach seiner Neufassung von Henrik Ibsens «John Gabriel Borkman» hat sich der australische Regisseur Simon Stone auf derselben Bühne den anderen großen Skandinavier der Jahrhundertwende vorgenommen: August Strindberg. Seit «Borkman», seiner ersten Arbeit im deutschsprachigen Raum, hat Stone seine ganz spezielle Form der Klassikeradaption an mehreren Bühnen und in verschiedenen Varianten erfolgreich ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Schauspieler*innen des Jahres, Seite 100
von Wolfgang Kralicek
Victory Condition» beginnt mit einem freundlichen «Hallo». Ein Mann spricht mich an, erzählt, was er weiß über mich, über mein Leben mit geliebten Menschen, über Glücksmomente und plötzlich einbrechenden Schrecken, über meine Ängste und mein Vertrauen. Der Mann kennt mich, denn er ist wie ich.
Nein, er spricht nicht mit mir. Der Mann ist ein Sniper und liegt...
Seit dem Erwachen meines politischen Bewusstseins Mitte der 1970er Jahre war der Begriff «Heimat» für kritische Menschen diskreditiert, damals vor allem durch die Nähe des Begriffs zu der Blut–und-Boden-Ideologie der Nationalsozialisten. Ich selbst würde sagen, dass er mich immer irritiert und ich ihn nie benutzt habe. Er stand einfach im Verdacht, ein bisschen...
«Heimat» ist ein trügerischer Begriff, er bringt Sehnsucht zum Ausdruck: nach Ruhe, Beständigkeit, Vertrautem, Einfachheit, Zugehörigkeit und tiefer Verwurzelung. Die Diagnose, dass ein wachsendes Bedürfnis nach alldem verständlich sei, weil wir in sich rasant ändernden Zeiten leben, die immer unüberschaubarer würden, ist allgegenwärtig. Gleichzeitig ruft der...
