Eine Frau für alle Zimmer
Auf Tripadvisor hätte das Hotel Strindberg schlechte Karten. Die Zimmer sind zwar auf Vier-Sterne-Niveau ausgestattet, aber leider nur über ein Notstiegenhaus zu erreichen; der Aufzug ist nämlich schon seit Jahren defekt, und anscheinend denkt man gar nicht daran, ihn reparieren zu lassen. Auch, dass es sich im Prinzip um ein Nichtraucherhotel handelt, wird hier offensichtlich nicht so eng gesehen. «Man tut sein Bestes», sagt der Concierge Xavier (Roland Koch) nur achselzuckend, wenn er von einem Gast auf den Zigarettengeruch hingewiesen wird.
Die User-Bewertungen für dieses Etablissement wären wohl existenzgefährdend.
Im Hotel Strindberg kann man aber ohnedies kein Zimmer buchen. Erstens ist es voll belegt, und zweitens steht es nur auf der Bühne des Wiener Akademietheaters. Drei Jahre nach seiner Neufassung von Henrik Ibsens «John Gabriel Borkman» hat sich der australische Regisseur Simon Stone auf derselben Bühne den anderen großen Skandinavier der Jahrhundertwende vorgenommen: August Strindberg. Seit «Borkman», seiner ersten Arbeit im deutschsprachigen Raum, hat Stone seine ganz spezielle Form der Klassikeradaption an mehreren Bühnen und in verschiedenen Varianten erfolgreich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Schauspieler*innen des Jahres, Seite 100
von Wolfgang Kralicek
In gesellschaftlichen Diskursen wird derzeit wiederholt die Figur der Flut bemüht, um das Bild des Eindringens «fremder» oder neuer Menschen und Ideen in eine bestehende Ordnung zu zeichnen. Je nach politischer Fasson wird dieses Eindringen als Bedrohung einer heilen Welt oder als Chance einer Erneuerung begriffen. Auch die Frage nach «neuen» Narrativen, Praktiken...
Sie ist erst vor zwei Stunden von einem Gastspiel zurückgekommen, und es war ein großer Abend für Wiebke Puls. Nicht wegen des Erfolgs vor den unbekannten Zuschauern, sondern wegen eines überraschenden Gesprächs mit der begleitenden Kammerspielcrew aus allen Gewerken, das bis spät in die Nacht ging. Und das besonders war, «die Trennlinie zwischen Technik und Kunst...
Seit Anfang des Jahres gibt es in Großbritannien ein neues Ministerium: «Ministry for Loneliness». Dies ist keineswegs eine literarische Erfindung, wie das «Ministerium für Wahrheit» in George Orwells «1984», sondern eine real existierende Behörde. Mitsamt einer zuständigen Ministerin, die sich außer um die Bekämpfung der sich epidemisch ausbreitenden Einsamkeit...
