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Der Nachfolger

Ein Interview mit Demis Volpi

Demis Volpi, seit Sie als Neumeiers Nachfolger benannt wurden, habe ich häufig die Formulierung gelesen, dass das sehr große Schuhe seien, die Sie sich da anziehen. Haben Sie Angst?
Angst nicht, aber großen Respekt. Ich ziehe mir ja nicht die Schuhe von John Neumeier an, ich habe mein eigenes Paar Schuhe, das ich mitnehme. Das ist eine einmalige Situation in der Tanzgeschichte: Noch nie hat ein Künstler ein Ensemble so stark über so einen langen Zeitraum geprägt und diese Rolle zu Lebzeiten übergeben. Der besondere Reiz dieser Aufgabe liegt darin, dass ein Dialog mit Neumeier ja noch möglich ist. Ich möchte aus meinem künstlerischen Dasein, aus meiner künstlerischen Überzeugung etwas Eigenes entwickeln, Impulse geben und versuchen, damit eine Richtung zu weisen. Der Tanz ist die lebendigste aller Kunstformen, die, die sich am stärksten verändert, und ich sehe es als riesige Chance, dass ich meine Arbeit in Hamburg mit einer Kompanie auf diesem Niveau weiterentwickeln kann. Aber natürlich, wie man auch in Düsseldorf und Duisburg sieht, steht meine Arbeit nicht alleine da. Mich hat immer interessiert, meine Stücke im Kontext von denen anderer Künstlerinnen und Künstler zu sehen. Dadurch wachsen die Tänzer, und für mich als Choreograf ist dieser Dialog eine Bereicherung.

Neumeier hat ja das Haus auch als Choreograf stark geprägt. Es gab zwar immer wieder auch Gäste, aber das mit Abstand meiste in Hamburg hat er selbst choreografiert. Das wird in Zukunft anders sein?
Der Versuch, nach der Neumeier-Zeit als alleinige Stimme ein Repertoire aufzubauen, wäre fatal, das würde auch der Sache nicht gerecht werden. Wir begeben uns auf eine künstlerische Suche, in der ich meine choreografische Sprache als Teil eines Ganzen sehe.

Das Ensemble ist sehr stark auf den Neumeier-Stil gepolt. Wie wird die Arbeit mit der Kompanie ablaufen?
Das ist eine spannende Frage. Ich denke, dass man es sich zu leicht machen würde mit der Vorstellung, dass Neumeiers Stücke eine durchgängige Stilrichtung zeigen, denn in seinem Œuvre gibt es eine große Vielfalt, in den Erzählweisen wie auch in der Bewegungssprache. Ich habe die Hamburger Kompanie in den letzten Jahren öfters gesehen, und ich habe das Gefühl, dass mit diesem Kaliber von Künstlerinnen und Künstlern eigentlich fast alles möglich ist, auch wenn es bei der einen oder anderen choreografischen Sprache eine größere Reise sein wird.

Das gesamte Interview von Falk Schreiber lesen Sie in tanz 12/22