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Das Glück der Freiheit

Ein Porträt der Tänzerin Precious Adams

Precious Adams kommt aus Canton. Der Ort sieht genauso aus, wie man sich eine amerikanische Kleinstadt vorstellt: großzügige Einfamilienhäuser mit offenen Vorgärten, ein Rasenstreifen zwischen Bürgersteig und Straße. Es gibt viel Platz und Ordnung, viel manikürtes Grün. Zu den großen Seen und der kanadischen Grenze ist es nicht weit, nach Detroit nur ein Katzensprung. Mutter Miriam arbeitet als Zahnärztin, Vater Clement ist Kieferorthopäde, sie selbst das zweite Kind von dreien, und das erste Mädchen. Weil sie immerfort durchs Haus tanzt, melden die Eltern sie zu Jazz- und Steppstunden an. Kurz darauf wird sie auch an der Academy of Russian Classical Ballet Michigan vorstellig (ihre kleine Schwester Portia tut’s ihr später nach). Dass das Kind Talent hat, zeigt sich rasch. Also geht es mit elf aufs Internat, ins dreieinhalb Autostunden entfernte Toronto. 
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Ihre Kraft zur Gänze spüren, gehört zu den Dingen, die Adams glücklich machen in ihrem Beruf. Wenn sie an die eigenen Grenzen rühren kann, beginnt die Freiheit. Sie will abends ins Bett gehen mit der Gewissheit, nichts brachliegen gelassen zu haben. Kein Wunder, dass sie William Forsythes rundum fordernde Choreografien liebt. Vor allem sei sie aber ein echtes Mädchen, sagt sie, ein «girly girl». Diese Seite könne sie am ehesten bei George Balanchine ausleben, der ihr allerdings bisher nur im zweiminütigen Solo «Fascinatin’ Rhythm» aus «Who Cares?» unter die Füße gekommen ist. «Balanchine verstand es, Frauen gut aussehen zu lassen beim Tanz. Und er wusste, wie man dafür sorgt, dass sie sich beim Tanzen auch gut fühlen: weich, graziös und wunderschön.»

Das gesamte Porträt von Wiebke Roloff Halsey lesen Sie in tanz 12/20