Bewegt eine lyrische Sopranistin schon recht früh der Gedanke: «Wie kann und werde ich einst von der Susanna wegkommen?»
Komischerweise nicht. Eine dramatische Auseinandersetzung mit Text liegt mir von Natur aus. Schon im Chor wollte ich immer Evangelist sein. Mich hat fasziniert, wie hier auf fast schauspielerische Art mit Timing, Ausdruck und Ausbrüchen gearbeitet und Musik ausgedrückt wurde, so dass man das Publikum an die Angel bekommt. Einfach Geschichten erzählen, darum geht es doch. Schon als ich Anfang 20 war, wollte ich mich dramatischeren Aufgaben stellen. Mir wurde aber der sehr gute Rat gegeben: Du musst erst durch die Zerlinas, Barbarinas usw. durch, um Erfahrungen zu sammeln und zu begreifen, ob du den richtigen Weg einschlägst.
Timing ist Trumpf
Die Sopranistin Dorothea Röschmann
Ganz interessant ist: Ich bin schon mehrfach gefragt worden, ob ich nicht auch unterrichten möchte. Diese Verantwortung kann und will ich aber derzeit nicht übernehmen, weil ich noch zu beschäftigt bin, auch mit der Familie. Vor zwei Jahren habe ich aber einer Kollegin, die Susanna studierte, ein paar Tipps gegeben. Und alles, was mir Barenboim und Harnoncourt sagten, kam wieder hervor. Harnoncourt meinte etwa, Pausen seien mit das Spannendste überhaupt. Mit Timing könne man – wie ein Schauspieler – alles machen, alles sagen. Es muss natürlich immer ausgefüllt sein mit Energie. Bei Harnoncourt war das körperlich zu spüren.