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Oper für Europa

Straßburg ist das Opernhaus des Jahres 2019

Dass mit der Opéra national du Rhin, jenem oft zu Unrecht im Schatten von Paris und Lyon stehenden Verbundinstitut, das Bühnen in Strasbourg, Colmar und Mulhouse bespielt, zum zweiten Mal eine französische Compagnie Opernhaus des Jahres geworden ist, geht wesentlich auf die Ideen, kreative Unruhe, Intuition und Geistesgegenwart einer Frau zurück. Als «Opéra d’Europe», mitten in und für Europa, das sein Programm in französischer und deutscher Sprache präsentiert, hatte Marc Clémeur, von 2009 bis 2017 Directeur général, die Rhein-Oper konzipiert, regional verankert, zugleich Brücken bauend über nationale Grenzen hinweg.

Aber es war Eva Kleinitz, der es im Schulterschluss mit dem Dramaturgen Christian Longchamp gelang, das künstlerische Profil um viele junge Stimmen und eine thematisch wie stilistisch originelle Vielfalt zu bereichern, die allenthalben Aufbruch signalisierte. Von einem frühbarocken Fundstück wie Giovanni Legrenzis «La divisione del mondo» oder Offenbachs seit 150 Jahren nicht mehr aufgeführter Buffa «Barkouf oder ein Hund an der Macht» bis zu Wiederentdeckungen wie Alberto Ginasteras nach Stendhal und Shelley komponierter.

«Beatrix Cenci», die im Rahmen des neuen, von Kleinitz initiierten «Arsmondo»-Festivals endlich wieder auf die Bühne kam, reichte das Spektrum der vergangenen Saison. Einer Spielzeit, deren letzte Premiere die unermüdliche, polyglotte Netzwerkerin, die unzählige Talente zusammenbrachte und unterschiedlichste Temperamente zu produktiven Teams zu formen wusste, nicht mehr erlebt hat: Am 30. Mai 2019 ist Eva Kleinitz nach langer Krankheit gestorben. Die Würdigung der Opéra national du Rhin, sie wird so auch zu einer Hommage an die Persönlichkeit, die deren Höhenflug steuerte.