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Der Tänzer Fotograf

Gert Weigelt erhält den Tanzpreis 2019

«Autopsie und Fotografie haben viel gemeinsam. Viel toller finde ich heute das Wort Vivisektion. Die Kamera ist das Auge, das am lebenden Körper operiert. Es erstaunt mich immer wieder, was die Kamera alles sieht, gerade bei der Bühnenfotografie. Der Blick geht wie ein Stroboskop. Ich fächere mit der Kamera eine Bewegung auf und weiß danach genau, welches Bild gelungen ist. Ich weiß es, weil ich selber Tänzer war. Aber man muss nicht unbedingt Tänzer sein.

Anthony Crickmay, der vor zwei Jahren zum Achtzigsten eine Werkschau im Londoner Victoria and Albert Museum erhielt, hat nie getanzt: Aber was für ein Gefühl für den Bildaufbau! Das Wichtige ist eben nicht die Bewegung. Man hält sie ja an. Wichtiger ist Musikalität und die Gabe, den Atem der Tänzer aufnehmen zu können. In Berlin habe ich Lin Hwai-min und sein Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan fotografiert. Es war eine Morgenprobe, und weil abends Vorstellung war, erlaubte Lin Hwai-min den Tänzern zu markieren. Aber sie sahen mich in der ersten Reihe und tanzten alles voll aus. Plötzlich wurde ich von der puren Physis der Tänzer derart überwältigt, dass mir beim Fotografieren die Tränen aus den Augen liefen. Das schaudert mich heute noch: Was für eine Kraft aus einem Körper kommen kann, und wie machtlos man mit der Kamera ist.»

Das vollständige Interview mit Gert Weigelt zur Tanzfotografie
finden Sie in der Oktoberausgabe von tanz.

www.gert-weigelt.de