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Eine Königin dankt ab

Edita Gruberova

Der 27. März 2019 war ein Tag für die Annalen: Eine Königin dankte ab. Als Elisabetta in Donizettis «Roberto Devereux» verabschiedete sich Edita Gruberova im Münchner Nationaltheater von der Opernbühne. Damit ging eine einzigartige Karriere zu Ende, die am 19. Februar 1968 in Bratislava mit Rosina in Rossinis «Barbiere di Siviglia» begann. Nach ihrem Erfolgsrezept befragt, zitiert sie Alfredo Kraus: «Wichtig ist die Technik, das richtige Repertoire und genügend Urlaub.»

Wie ist das, wenn man zur letzten Vorstellung auf die Bühne tritt und vor dem ersten Ton sofort eine Ovation auslöst? Welcher Druck baut sich da auf?
Sie meinen, ob ich Angst hatte, die zweieinhalb Stunden «Roberto Devereux» durchzuhalten? So war es nicht. Ich habe etwas Ähnliches einmal vor vielen Jahren erlebt, als ich in Wien Lucia di Lammermoor mit Alfredo Kraus sang. Er bekam auch einen riesigen Auftrittsapplaus. Ich dachte mir: Wie schön, sie begrüßen ihn. Er hat das damals als stolzer Spanier freundlich zur Kennt­nis genommen, sich weder verbeugt noch geweint, und es ging los. Was ich sagen will: Es ist schön, aber nicht belastend.

Wann war klar, dass dieser «Roberto Devereux» Ihre letzte Opernvorstel­lung sein sollte?
Zunächst überhaupt nicht. Als ich im März nach München fuhr, wusste sogar meine dortige Agentur nichts davon. Ursprünglich waren nur zwei Vorstel­lungen mit mir geplant, die anderen beiden sollte eine Kollegin singen. Als Sondra Radvanovsky absagte, wurde ich gefragt, ob ich alle übernehmen könnte. Zwischen den Vorstellungen lagen aber nur wenige Tage, normaler­weise will ich eine längere Pause. Trotzdem habe ich zugesagt. Ich liebe diesen «Roberto Devereux» über alles. Und als ich Ja sagte zu diesen Extra-Abenden, dachte ich mir: Na, das sind eh schon deine letzten, ist doch egal. Auf den Proben habe ich irgendwann von meiner letzten Vorstellung gesprochen, ganz nebenbei. Ich wollte nicht großartig Abschied nehmen. Plötzlich waren alle aufgeschreckt. Die Bayerische Staatsoper rief bei meiner Agentur an, die dann sofort bei mir. Und ich antwortete: «Okay, wenn die Staatsoper es offi­ziell herausgeben will, dass dies mein Abschied ist, dann soll sie es tun.»

Es hat also auch viel mit der Inszenierung von Christof Loy zu tun.
Ja, es ist wirklich meine Inszenierung. Da stimmt alles. Und dazu diese Hand­lung, eine abdankende Königin ... Es war mein ganz persönlicher Genuss, die­ser Abend.

Das vollständige Interview von Markus Thiel
finden Sie im Jahrbuch Opernwelt 2019.