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Rezensionen August 2023

Foto: Gordon Welters

René Pollesch: «Mein Gott, Herr Pfarrer!» in Berlin

Der christliche Glaube steht im Sinnzentrum von René Polleschs neuester Kreation «Mein Gott, Herr Pfarrer», und eine eher irdische Hausgöttin, die ins Ensemble zurückgekehrte Sophie Rois, macht sich gutgelaunt auf die Suche. Wie üblich im Turbo-Redemaschinentheater schrauben sich alle Beteiligten – neben Rois Inga Busch, Benny Claessens und Christine Groß – so lange spiralförmig in ein Thema hinein, bis die Sache selbst im Unsinn versinkt.

Parallelgeführt werden Motive von drei Ingmar-Bergman-Filmen und das Making-Of von Theater und Film. Also Kunstproduktion mit depressiven Pastoren, gequälten Geliebten, Bigotterie, Selbstmord, destruktiver Familienpsychologie, selbstzerstörerischen Mutter-Tochter-Beziehungen und so weiter. Die Themendichte und -verwandtschaft sorgt dafür, dass bei weitgehendem Dialog-Kontrollverlust und chaotischen Figurenwechseln trotzdem irgendwie alles zu allem passt und sich die versammelten Psychodramen aus «Licht im Winter», «Herbstsonate» und «Wie in einem Spiegel» (mit herzlichem Dank an den Programmhefthinweis!) gut verquirlt in einem Pollesch-Soap-Himmel wiederfinden.

Sophie Rois hat anfangs Textkonzentrationsschwierigkeiten und spricht vermutlich deshalb so leise, dass man auch in einer vorderen Reihe nicht mehr wirklich folgen kann. Sobald aber der Motor ein bisschen warmgelaufen ist, lässt sie mit vertraut metallischem Sirren ihre Stimme aufheulen wie einen in Würde gealterten Porsche und steuert unbeirrbar durch die Haarnadelkurven der Vorlage. Inga Busch und Christine Groß als bewährte Sidecasts donnern dazu ihre Repliken – Tenor: Mutter, du bist so böse – derart überlaut und knochentrocken in den Saal, dass jedes damit eigentlich behauptete Gefühl verdampft. Schöner Effekt.

Hartmut Meyer hat dafür ein nachhaltiges Bühnenbild entworfen, das zu fast allem passt: hinten und links gelbe Wand, darauf eine Schräge mit fahrbarem Holzpodest und ein verknitterter Hänger, der immer herunterkommt, wenn man ihn nicht braucht. Vorbildlich wiederverwendbar.

Am Ende kann sich aus dem großen Theater-Glauben-Sinnsalat jeder herauspicken, was er möchte, und ein 90 Minuten lang stumm um Verständnis ringender Saal platzt zum frenetischen Schlussapplaus aus allen Nähten. Die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz ist eben doch ein Stadttheater, das seine Held:innen bejubelt. Egal wobei.

Die gesamte Rezension von Franz Wille lesen Sie in Theater heute 8-9/23