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Rezensionen Juli 2019

Angelin Preljocaj: Die Winterreise

Am 12. Juli im Stadttheater Bozen, «Bolzano Danza»

Mit der Aufführung der «Winterreise» nach Franz Schuberts gleichnamigem Liederzyklus lieferte Preljocaj an der Scala ein Highlight der gesamten italienischen Tanz-Saison. Jetzt hat er das Stück für sein eigenen Ballet Preljocaj übernommen.

Am Boden liegen Mädchenkörper. Dunkle Flocken rieseln auf sie herab. Dann werden sie von ihren Partnern jäh emporgerissen, hervorgezogen unter der dunklen Schneedecke: ein starkes Bild voller Sehnsucht, Wut und Leidenschaft, das Angelin Preljocaj als visuellen Einstieg in sein Tanzdrama gewählt hat. Das für den Stil des Choreografen typische stählern-skulpturale Bewegungs- und Gestenvokabular erzeugt eine Dynamik, die der Komposition und den Versen emotionalen Nachdruck verleiht – der inneren Vorstellungswelt des Wanderers ebenso wie der melancholisch aufgeladenen Natur ringsum.

Man kann diese kurzen aufeinanderfolgenden Tanzsequenzen wie choreografierte Haikus betrachten, jene traditionellen japanischen Miniaturgedichte, die ohne Sentimentalität flüchtige Eindrücke und jahreszeitliche Bezüge festhalten. Dabei wirkt Preljocajs formalistisches, nur selten sinnlich-ungehemmt aufflammendes Idiom auf Dauer recht steif: Dem Tanz eignet dank der geometrisch-rationalen Konstruktion und der zumeist in starre Gestik gebannten Spannung ein gewisser mechanischer Gestus – eine stets beherrschte Intensität, die augenfällig mit der zarten Expressivität der Musik kontrastiert: Bemüht Preljocaj hier vielleicht doch zu viel philosophischen Überbau, um Schuberts ewige Sehnsucht tänzerisch zu hinterfragen?

Die ausführliche Rezension von Silvia Poletti finden Sie in tanz 7/2019.


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