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The Sky is Calling

Michael Douglas spielt Loslassen

«The Kominsky Method» ist der nicht ganz demütige Titel einer Netflix-Serie mit nunmehr zwei Staffeln, 16 Folgen à 30 Minuten, um die Männerfreundschaft des alternden Schauspielers Sandy Kominsky, bravourös bockig und umwerfend charmant gespielt vom mittlerweile 75-jährigen Michael Douglas («Wall Street»), und seines Agenten Norman Newlander, der hinreißend schlechtgelaunte und sarkastische Alan Arkin (86, «Catch 22»). Sandy, für kurze Zeit in jüngeren Jahren ein amerikanischer Filmstar, verdient jetzt seine Brötchen mit dem Actor’s Studio unterm eigenen Namen, KominSky, mit einem sehr großen S in der Mitte. Unübersehbar: The Sky is not the limit für einen wie Sandy. Das macht der coole Rocker, forever young wie ältere Herren sich ewig jung vorstellen, also mit wallender weißer Mähne, lässig geschlungenem Schal und Hoodie im heißen Retro-BMW-Kabrio, auch gleich im Intro der allerersten Folge klar, wenn er seinen Schülern das Grundsatzprogramm erläutert. Was ist das, so ein Schauspieler? Nicht weniger als Gott! Denn er erschafft ja «eine Welt. Das Leben, den Tod. Das Licht, die Dunkelheit. BOOM! Der Allmächtige!» Aber dann kommt der Twist des weisen alten Mannes: Wahre Liebe, Gottes Liebe, bedeutet Loslassen! Damit ist die Agenda gesetzt, darum geht es in den nächsten 16 Folgen: Loslassen! Aber was nach Paulo-Coelho-Kitsch klingt, ist in dieser gemeinsamen Suche zweier grumpy old men das genaue Gegenteil. Wir erleben eine gnadenlos komische und gnadenlos harte Begegnung mit dem, was nicht möglich ist, die beiden alten Herren aber so kräftig umtreibt, dass sie immer lebendiger werden: den Tod bescheißen! Der gleich zu Beginn seine Unausweichlichkeit bewiesen hat, wenn Alans geliebte Frau Eileen stirbt, nicht ohne ihre Beerdigung aufs Unverwüstlichste orchestriert zu haben, Barbara Streisand als Transenauftritt inklusive.

 

Den gesamten Beitrag von Barbara Burckhardt lesen Sie in der Juniausgabe von Theater heute.