Rezensionen April 2022
Damien Jalet: «Skid»
Ein einzelnes Bein ragt über die Kante ins leere Weiß. Es folgen weitere Gliedmaßen, schließlich beginnen die Tänzer*innen, sich über den Abgrund zu ergießen: Körper verhaken sich ineinander, bilden Ketten, formieren sich. Die Rutschpartie steigert sich in Vorwärtsrollen und Überholmanövern, Körper lösen sich mit waghalsiger Akrobatik von der Schräge. Die Tänzer*innen offenbaren gänzlich neue Perspektiven auf ihre Bewegungskunst. Als die Musik für einen kurzen Moment aussetzt, wird ihr schweres Atmen hörbar – ebenso wie das Aufschlagen von Körpern. Geräusche, die die Anstrengung verraten, welche sich hinter dem scheinbar mühelosen Hinabgleiten verbirgt.
Mit unerbittlichem Rhythmus treibt die Musik aber auch die Bewegung in entgegengesetzter Richtung an: den Aufwärtsmarsch. Präzise formiert sich ein pulsierendes Netz aus Körpern. Wer oben anlangt, hält inne, den Rücken gerundet wie ein Käfer, bevor sich die Körper von Neuem mit derselben Akkuratesse in gegenläufiger Massenbewegung ineinander verweben. Davon abgesetzt: der vereinzelte Körper, wie in einen Kokon eingesponnen von der Schräge herabbaumelnd. So lässt Damien Jalet individuelle Figuren erkennbar werden, die sich beständig verwandeln im unablässig wabernden Ganzen aus Tänzerkörpern.
Die gesamte Rezension von Lis Hellström Sveningson lesen Sie in tanz 4/22