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Medientipp 1. Februar

«Colette» und «Die Frau des Nobelpreisträgers»

Frauen schreiben Romane, deren Ehegatten veröffentlichen die dann als ihre eigenen – mit großem Erfolg, weil sie Männer sind. Frauen hatten, so die These zweier aktueller Film-Plots, im früher männerdominierten Buchmarkt weniger Chancen. Das eine Beispiel ist 100 Jahre alt – und aus der Realität gegriffen. Das andere ist Fiktion – und spielt vor 30 Jahren in den USA.

«Colette» (Regie Wash Westmoreland, männl.) basiert auf der Biografie der französischen Autorin, die erst nach der Trennung von ihrem Mann mit ihren Werken (auch den älteren, zunächst unter seinem Namen erschienenen) weltberühmt wurde. Leider zeigt der Film nur Colette als Ghostwriterin, nicht das noch interessantere «Nachleben». Und Keira Knightley als Titelheldin hat gegen die opulente Ausstattungsseligkeit des Sets keine Chance, sich darstellerisch zu entfalten. 

«Die Frau des Nobelpreisträger»/«The Wife» (Regie Björn Runge, männl.) ist auch nur ein gehobener Herz-Schmerz-Film. Allerdings mit einer herausragenden Schauspielerin, die ihn sehenswert macht: Glenn Close. 

Joan Castleman schreibt all die Bestseller, für die ihr Mann John (Jonathan Pryce) schließlich, beide sind da Anfang siebzig, mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wird. Bislang gab Glenn Close oft die Frau, von der man spricht, so in «Gefährliche Liebschaften» oder «Verhängnisvolle Affäre». Diesmal nicht. Sieben Mal war sie bislang für den Oscar nominiert. Bekommen hat sie ihn nie. Diesmal? Für einen Film, in dem sie – als Figur – den Nobelpreis erschrieben, aber eben nicht bekommen hat?

Glenn Close zeigt Joan nur auf den ersten Blick als beste aller Ehefrauen für ihren habituell fremdgehenden Mann; und als perfekte Mutter für ihre schwangere Tochter und den ebenfalls schreibenden, unter der Dominanz des Vaters leidenden Sohn. Doch sie ist eine Sphinx, neugierig und selbstbeherrscht. In ihren kühlen Augen lauern unerlöste Phantasien und unerhörte Geschichten. Sie lässt mit einem lippenumspielenden Lächeln Männerwelten zusammenbrechen. Sie ist eine ebenso brillante Heldin des Rückzugs wie des bedachten Angriffs. 

Und sie ist (selbst-)ironisch: Als der schwedische König, dessen Tischdame sie ist beim Nobel-Galadinner, nach ihrem Beruf fragt, kommt schnell und trocken: «Königsmacherin».  Kann eine herausragende Schauspielerin einen mittelmäßigen Film sehenswert machen? Sie kann. Nicht über die Langstrecke, doch für vereinnahmende Sprints. Glenn Close geht mit vielen Talenten in den Oscar-Endspurt. Jetzt braucht sie noch Fortune.

Michael Merschmeier