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Theaterfotografie #5

Vier Augen sehen mehr

Im Team fanden Monika und Karl Forster ihre Berufung

Von Florian Zinnecker

Karl und Monika Forster haben sich zusammen einen Namen gemacht, und das nicht nur im übertragenen Sinn. Der Name steht in der Bilddatei, oft auch in der Zeile, die den Urheber jedes Bildes ausweist. Und da steht dann: Karl Monika Forster – ein Name für zwei Fotografen, als wäre das Paar, das seit vielen Jahren im gesamten deutschsprachigen Raum etwa für Regisseure wie Stefan Herheim, Nicolas Brieger und Uwe Eric Laufenberg arbeitet, längst zu einer einzigen Person geworden. 

Tatsächlich verdanken beide einander ihre gemeinsame Laufbahn. Monika Forster, mit großem Wissensschatz und noch größerer Begeisterung für die Bühne, war Hobbyfotografin und Autodidaktin. Karl Forster, gelernter Fotograf, interessierte sich nicht im Geringsten für Theater, «es war mir ein Gräuel», gesteht er und lacht. Sie überredete ihn, ein Projekt am Landestheater Schwaben zu versuchen. Er gab nach – und so begann eine fruchtbare Symbiose: Sie weckte in ihm die Liebe zum Theater. Und er führte sie in die Kunst der richtigen Blende und Belichtungszeit ein. «Sie hat einen unglaublich guten Blick», sagt er, «weil sie das Thema so schätzt und sich so stark darauf einlässt.» Die Forsters leben in Bad Grönenbach, einem 5500-Einwohner-Dorf im Allgäu zwischen Kempten und Memmingen. Weit abgelegen von den Opernbühnen des Landes, aber dafür: in wunderschöner Umgebung. 

«Es gab damals an der Landesbühne zwar einen festangestellten Fotografen», erzählt Karl Forster, «aber ich kannte einen Dramaturgen, der mir die Tür öffnete.» Die Theaterleitung fand Gefallen an seinen Bildern, sie waren anders als die, die der Hausfotograf ablieferte. Forster reichte die Bilder beim internationalen Fotowettbewerb für Bühnenfotografie im serbischen Novi Sad ein, gewann mehrfach Gold, Silber und Bronze, seit 2002 sitzt er in der Jury. Mit den Auszeichnungen versuchte sich Forster an anderen Bühnen zu akkreditieren – zunächst in Bregenz, dann auch in Salzburg, überall lernt er neue Regisseure kennen, die ihn dann wieder an neue Häuser holen. Und bald auch seine Frau.

«Wenn wir an ein Haus fahren und eine neue Oper fotografieren, erklärt mir meine Frau im Auto die Handlung und die Hintergründe», sagt Forster. «Natürlich haben wir dadurch, dass wir im Doppelpack unterwegs sind, die doppelte Anzahl an Perspektiven und Standplätzen im Zuschauerraum. Außerdem sieht meine Frau anders als ich.» Aber das ist nicht alles. «Es macht natürlich mehr Freude, eine Oper zusammen zu fotografieren, wenn wir schon Partner sind, als wenn einer zu Hause sitzt und auf den anderen wartet.» Doppelt so teuer seien die Forsters aber nicht – die meisten Häuser zahlen feste Pauschalen. «Manchmal überschneiden sich Termine, dann macht einer den einen und der andere den anderen. Aber es ist ja auch schön, die Fotos danach zusammen zu sichten und zu diskutieren, welche man präsentiert.» 

Der Schlüssel zu guten Bildern sei allein die Faszination, sagt Forster. «Es ist wie ein Virus. Das Thema muss mich packen, es geht nicht, wenn es nur ein Job ist. Als ich angefangen habe, habe ich ausschließlich aus dem Bauch fotografiert. Von der Bühne kommt eine ungeheure Energie und Kraft – und wenn ich die spüre, dann fließt es, dann fällt es mir leicht zu fotografieren.» Und wenn ein Regisseur nach einer Probe bittet, eine bestimmte Aufnahme am nächsten Tag zu wiederholen, weil ein Detail noch nicht richtig saß – dann kann es sein, dass Forster entgegnet: «Ja, wenn’s wieder kommt. Keine Szene wiederholt sich. Sie ist jedes Mal ein Original.» 

Ein bestimmtes Lieblingsfoto haben die Forsters nicht; wenn überhaupt, dann mehrere. Die Wahl fällt schließlich auf ein Motiv aus «Herzog Blaubarts Burg» am Staatstheater Wiesbaden, inszeniert von Uwe Eric Laufenberg im April 2015 (Ausstattung: Matthias Schaller, Susanne Füller). Ein Foto, das das rechte Maß an Energie enthält – und auf dem alles stimmt: der Lichtraum, der die Dramatik der Szene verstärkt und die Bühnentiefe betont; die Spannung der Hauptfiguren – Gerd Grochowski als Blaubart und Vesselina Kasarova als Judith – über die ganze Bühnenbreite, noch verstärkt durch die Anwesenheit der übrigen Personen.

Und wenn die Energie nicht stimmt, was dann? «Gutes Handwerk kann man immer machen», sagt Forster. «Fotos gibt es immer. Aber nicht unbedingt die, die maximal befriedigen.»