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Faust-Fakten

Der historische Faust

Gesammelt von Klemens Hippel

Seinen allerersten Auftritt hat Faust 1507. Der Mathematiker und Hofastrologe Johannes Virdung wartet sehnsüchtig auf die Ankunft des damals offenbar schon berühmten Astrologen, als ihn sein Freund Trithemius brieflich vor dem «Landstreicher, leerer Schwätzer und betrügerischer Strolch, würdig ausgepeitscht zu werden, damit er nicht ferner mehr öffentlich verabscheuungswürdige und der heiligen Kirche feindliche Dinge zu lehren wage» warnt. Die erste von nur neun verlässlichen Quellen, die über den Arzt, Astrologen, Wahrsager und Magier Auskunft geben. 1513 ist es der Humanist Mutianus Rufus, der die Ankunft des «Chiromanten» in Erfurt bestätigt. «Georgius Faustus Helmitheus Hedelbergensis» sei «ein bloßer Prahler und Narr. Seine Kunst, wie die aller Wahrsager, ist eitel.»

Warum beide ihn in ein so negatives Licht rücken wollen, ist viel diskutiert worden. Sicher ist, Fausts Wirken als Astrologe und Wahrsager muss sehr erfolgreich gewesen sein. 1520 zahlt ihm der Bamberger Bischof ein fürstliches Honorar für ein Horoskop, 1536 taucht er erneut als begehrter Astrologe in einem Brief auf, und auch bei seinem letzten Auftritt, in einem Brief Philipp von Huttens aus dem Jahre 1540, wird er als Urheber zutreffender Vorhersagen genannt. Dazwischen eine Ausweisung aus Ingolstadt 1528, ein Einreiseverbot aus Nürnberg 1532 wegen «Sodomie», ein Eintrag im Wettertagebuch mit einer weiteren astrologischen Auskunft und 1539 eine Auskunft über sein zweifelfhaftes medizinisches Wirken in Worms: «Wie viel aber mir geklagt haben, dass sie von ihm sind betrogen worden, deren ist ein grosse Zahl gewesen».

Mehr Sicheres ist nicht zu finden: Ob er nun 1466, 1478 oder 1480 geboren ist, ob er aus Helmstadt bei Heidelberg kommt oder aus Knittlingen, ob er 1540 zu Staufen starb – alles offen. Diesbezüglichen Quellen stammen aus der Zeit nach seinem Tod, wo die Legendenbildung längst eingesetzt hatte. Offen bleibt auch die Frage, wie gelehrt er wohl war. Hat er sich selbst in pseudo-gelehrtem Latein-Griechisch als „Helmitheus“, als Halbgott, bezeichnet? Oder hat sich Mutianus Rufus da verschrieben? In den Universitätsmatrikeln der Zeit ist jedenfalls nur ein Johann Faust zu finden, der 1509 in Heidelberg seinen Abschluss machte. Offenbar ein Namensvetter: Unser Faust ist schon 1507 berühmt. Und er sorgt für Gesprächsstoff. Sogar am Tische Martin Luthers, wo er mit dem Teufel in Verbindung gebracht wird. Besonders viele Geschichten gesammelt wurden in einer verlorenen Handschrift, auf deren Basis dann 1587 die «Historia von D. Johann Fausten» erschien. Ein immer wieder gedruckter und weitergesponnener Bestseller. Mit der englischen Übersetzung  beginnt auch seine Bühnenkarriere. Christopher Marlowe schreibt auf ihrer Basis sein Theaterstück, das spätestens 1608 auch im deutschen Sprachraum angekommen ist. Faust ist jetzt in Wittenberg lokalisiert statt in Heidelberg. Und seine damals hoch seriöse Betätigung als Astrologe spielt keine Rolle mehr.