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Gerechte Privilegien

Über den Streik in der Pariser Oper

Die Mitarbeiter der Oper protestieren gegen die geplante Auflösung ihrer spezifischen, durch Ludwig XIV. 1698 eingerichteten Rentenkasse in einem «universellen» Rentensystem. Dieses trägt den Besonderheiten ihres Metiers in keiner Weise Rechnung. «Das derzeitige Regime», erläutert Englischhornist Christophe Grindel, «regelt neben der Rente auch das Problem der Arbeitsunfähigkeit.» Ein Mitglied des Balletts, des Chors oder des Orchesters, das vor dem Rentenalter aufhören muss, erhalte dank einer Zusatzversicherung bis zum Erreichen dieses Alters 85 Prozent seines Gehalts. Das «universelle» System hingegen dekretiere, «dass Musiker, die einen Finger, oder Sänger, die die Stimme verlieren, bloß zu 3 bis 8 Prozent invalide sind»!

Ein weiteres Problem ist, dass das «universelle» System im Vergleich zum derzeit gültigen um bis zu 30 (!) Prozent niedrigere Rentenbeträge zeitigen wird. «Für Angestellte der Oper wird die Höhe der Pension anhand ihrer letzten sechs Monatsgehälter beziehungsweise, was die Tänzer, Sängerdarsteller und Instrumentalisten angeht, ihrer drei einträglichsten Jahre berechnet», erklärt der Bühnentechniker Matthias Herrmann. «Die stillschweigende Übereinkunft mit dem Staat ist, dass wir weniger verdienen als im Privatsektor oder im Ausland, dafür aber eine halbwegs anständige Pension erhalten.» Kalkuliere man deren Höhe nun freilich nicht mehr auf der Grundlage der «fetten Jahre», sondern auf jener der gesamten Berufslaufbahn, könne der Betrag drastisch sinken. «Viele Kollegen», so Herrmann, «haben sich jahrelang als unterbezahlte Freiberufler durchgeschlagen, bevor sie hier angestellt wurden.»

Den gesamten Bericht über die Hintergründe des Streiks
an der Pariser Opéra finden Sie in Opernwelt 3/20