Medientipp 1. März
«Lodzefrau»
Warschau 1942. Kurz vor dem Aufstand im Ghetto lässt der SS- und Polizeiführer Ferdinand von Sammern-Frankenegg hunderte Juden verhaften. Seiner Aufgabe geht er mit Inbrunst nach. Die aus Łódź stammende polnische Filmemacherin Anna Niewiadomska-Milczarek zeichnet diesen Mann, der das Konzentrationslager Treblinka füllt, als kultivierten Schreibtischtäter, der zu Streichmusik eine Gefangene in seinem winzigen Büro tanzen lässt: zur Inspiration seiner literarischen Ambitionen. In der Haftanstalt, die die Kamera von Aleksander Pozdnyakov ins Klaustrophobische verkleinert, tanzt das Opfer – wohl täglich – seine Erinnerungen an Friedenszeiten und endet, die Glieder zum Hakenkreuz geformt, vergewaltigt in der Zelle. Sieben Minuten, die unter die Haut gehen.