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Rezensionen 12/19

Mozart: Don Giovanni

Rundreise in die Neuköllner Oper sowie nach Bremen, Hamburg und Plauen

Obwohl das Stück zerrupft wird, wirkt es, als sei es gerade komponiert, authentisch und autonom. Es ist Mozart, der hier aufgeführt wird. Und mehr als nur sein «Don Giovanni». Auch das Requiem wird an passender Stelle zitiert, nämlich in dem Moment, als es dem Titelhelden tatsächlich an den Kragen geht und der Komtur (auch hier vom Band) ihn zum letzten Abendmahl bittet. Der Abend verliert hier seine Leichtigkeit, aber das passt eben auch wunderbar zum Stück. Prometheus, als Reverenzfigur, tritt deutlich hervor in seinem Scheitern. Aber auch in seinem kühnen Gebaren, die Götter hinters Licht zu führen, um den Menschen dieses Licht zu bringen. Den göttlichen Funken Erkenntnis. Dass Ulrike Schwab und ihre wilde junge Horde das nie vergessen, ist vielleicht die schönste Erinnerung an diesen verrückten Abend in der Neuköllner Oper. Denn man geht beflügelt und beglückt in die Nacht hinaus.

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Für Tatjana Gürbaca  sind auch die drei Frauen alles andere als Heilige. Allen voran Donna Anna: Ohne Zaudern und Zagen lässt sie sich von Don Giovanni und seinem gelenkigen Adlatus Leporello die pinkfarbene Strumpfhose und den Slip abstreifen, allzu bereit für das Äußerste. Donna Elvira wiederum hat das alles schon hinter sich; sie trägt, mit Würde und Wonne, ein Kind des Hasardeurs in ihrem Bauch und wird es noch vor Ende des Dramma giocoso gebären als Zeugnis einer Amour fou, für die sie alles andere aufzugeben bereit war. Zerlina schließlich sieht anscheinend viel Sinn in der Überwältigung. Sie fragt erst gar nicht, was der fremde Herr da wohl mit ihr vorhat: Mutig, entschlossen folgt sie ihm die Straße hinab in den Sündenpfuhl.    

Die ganze Rezension von Jürgen Otten finden Sie in Opernwelt 12/19