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Rezensionen 12/19

«Cunningham»

Alla Kovgans filmische Hommage ist der jüngste Beitrag zur Feier des US-amerikanischen Choreografen, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre  

Alla Kovgan ist tief in das schier uferlose Oeuvre des Choreografen eingetaucht – uferlos nicht zuletzt deshalb, weil Cunningham sich unendlich weit von den dramatischen Konventionen des frühen Modern Dance entfernt hat. Ihr Film verquickt Schwarzweiß-Material aus dem Archiv mit einer Reihe neuer, in 3D produzierter Rekonstruktionen an ungewöhnlichen Orten. Die Eröffnungsszene scheint in einem langen Tunnel angesiedelt, man hat den Eindruck, sich langsam auf einen einzelnen Tänzer zuzubewegen. Was der Tänzer tut, spielt keine Rolle – wichtiger ist das unheimliche Gefühl, das der teleskopartige 3DBlick evoziert. Weitere Settings sind: ein Kiefernhain, eine Lichtung an einem Weiher, ein Ballsaal, eine Dachterrasse mit Blick auf den Hudson River. Jede neue Location überflutet gleichsam unsere Sinne; der 3D-Effekt verstrickt uns in den Raum und veranschaulicht Cunninghams Überzeugung, Tanz in einem räumlichen Feld zu verorten und eben nicht auf der Guckkastenbühne. Die Kamera zoomt uns nah heran, führt uns in die Ferne; als Betrachter befi ndet man sich mittendrin im Geschehen. In der rekonstruierten Choreografie «Rainforest» (1968) vermeint man, Andy Warhols silberne Kissen ohne Weiteres berühren und abklopfen zu können.  

Die ausführliche Rezension von Wendy Perron lesen Sie in tanz 12/19.  

Filmstart: 19. Dezember