Inhalt

Verführung mit der Ware Kunst

Um das Publikum der Zukunft ging es in der dritten Runde der «Opernwelt-Dialoge» an der Oper Dortmund

Regisseurin Nadja Loschky:  

«Ich denke überhaupt nicht ans Publikum, wenn ich mir ein Stück vornehme. Ich glaube sogar, dass solche Überlegungen eher hinderlich sind. Die Frage, was eine bestimmte Person oder Gruppe mögen könnte, sollte nicht Ausgangspunkt der künstlerischen Arbeit sein. Was man erzählen und zeigen will, muss in einem selber reifen. Sobald ich mir über mögliche Reaktionen anderer den Kopf zerbreche, verliere ich mich selbst.»

 

Publizist Holger Noltze:

«Weniger als zehn Prozent aller Jugendlichen in Deutschland haben während ihrer Schulzeit mal ein Opernhaus von innen gesehen. «Die Zauberflöte», «Der Freischütz», «La traviata» – alles unbekannt. Was ich angesichts des immensen Einsatzes, auch finanziellen Aufwands für unsere Opern und Theater nicht verstehe: Warum sind Theaterbesuche eigentlich nicht Teil des Curriculums?»

Sängerin Hanna Schwarz:  

«Wenn über ein klassisches Konzert oder eine Opernaufführung geschrieben wird, klingt das oft so, als müsse man alles Mögliche studiert haben, um das zu verstehen. Uns fehlt ein bisschen das Talent, die Dinge klar und einfach auszudrücken.»

Kulturwissenschaftler Klaus Siebenhaar:  

«Als Peter Spuhler 2011 neuer Intendant des Badischen Staatstheaters Karlsruhe wurde, saßen nur wenige jüngere Menschen in den Vorstellungen der Musiktheatersparte. Und er wollte genau wissen, was da los war. Denn die Voraussetzung für wirksame Maßnahmen ist eine präzise Beschreibung des jeweiligen Ist-Zustands. Dabei haben wir geholfen, über einen längeren Zeitraum hinweg. Programmatik und Kommunikation wurden so umgestellt, dass sich auch Jugendliche und junge Erwachsene angesprochen fühlten. Ergebnis: Innerhalb von fünf Jahren hat sich der Anteil der unter 30-Jährigen verdreifacht.»

Intendant Heribert Germeshausen:  

«Wenn ich mit meinen Mitarbeitern den Spielplan zusammenstelle, muss ich das Publikum des Hauses schon gut kennen, auch die soziale Struktur und kulturelle Prägung der Menschen, die vielleicht noch nie in der Oper waren. Das Dortmunder Publikum ist sehr begeisterungsfähig und offen, aber es mag sich nicht binden: Das Haus bietet 1170 Plätze, aber wir haben lediglich 82 Premieren-Abos verkauft, fast alle Karten werden über den freien Verkauf erworben. Der Erfolg einer Produktion hängt nicht unwesentlich von der Resonanz auf die Premiere ab.»

Den gesamten Opernwelt-Dialog finden Sie in der Dezember-Ausgabe von Opernwelt.