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Jesus kam nur bis Matera

Milo Raus neuestes Theaterprojekt

Es könnte wohl keinen besseren Jesus geben für Milo Raus Großprojekt. Vor ein paar Tagen war Yvan Sagnet, geboren in Kamerun und einer der bekanntesten Aktivisten in Italien, mit Dornenkrone auf dem Titelbild der größten rechten Zeitung Italiens «La Verità»: «Ein schwarzer Jesus lockt die Migranten zu uns», stand da, bereits der erste Satz macht zynisch die Abschottungshaltung klar: «Könnten Migranten tatsächlich über Wasser gehen, hätten wir ein echtes Problem.»  

«Jesus war Sozialrevolutionär, der Leute ohne Land, Flüchtlinge, angeführt hat gegen das römische Imperium. In den Lagern der Gemüsesklaven herrschen Zustände, schlimmer als im Kongo», beschreibt Milo Rau sein Projekt am Abend nach dem Massendreh im ehemaligen Kloster «Monacelle», wo die Crew untergebracht ist; auf der Terrasse hat man einen grandiosen Blick auf die enge, bergige Altstadt.

Tagsüber wälzen sich Touristen hindurch, um die in Felsen gehauenen Höhlenwohnungen zu sehen. Bis in die 1950er Jahre galten sie als «Schande Italiens», weil in ihnen Menschen ohne Elektrizität und Wasser lebten, heute werden sie zu Höchstpreisen bei Airbnb gehandelt.   

«Einen Kreislauf der Gewalt», nennt es Milo Rau: Nur wenige Kilometer weiter existieren die Parallelwelten. Migranten, die es aus den Folterlagern von Libyen geschafft haben, stellen unter unwürdigen Bedingungen die Vitamin-Versorgung des europäischen Kulturbürgers sicher – der seinerseits afrikanische Märkte ruiniert, indem er Billiggemüse nach Afrika schickt und Fluchtgründe schafft. Es ist, als würde sich Milo Raus künstlerischer Kampf gegen die globale Ungerechtigkeit in diesen Tagen in Matera verdichten.  

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lesen Sie in Theater heute 12/2019.