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Die Welterkunderin

Die Tänzerin Elisa Carrillo Cabrera

Von weit hergekommen, fern von zu Hause – das taucht in unserem Gespräch immer wieder auf. Von weit her gereist ist Elisa Carrillo Cabrera nicht nur geografisch, auch sozial und emotional. Aufgewachsen ist sie in Texcoco de Mora, einer Stadt nordöstlich von Mexico City, in einer Familie, die keinen Ehrgeiz Richtung Ballett hatte. «Bereits die Schuhe für die Escuela Nacional de Danza Clásica zu bekommen, war eine Anstrengung.»

Aber da waren die Lehrerinnen, die fanden, das Kind habe Talent. Das müsse dringend gefördert werden. Und die Eltern machten mit. Sechzehnjährig war Elisa Carrillo Cabrera, als sie ihr Land Richtung London an die English National Ballet School verließ, gefördert mit einem Stipendium. 1999 trat sie als Elevin ins Stuttgarter Ballett ein, tanzte sich ein Jahr später ins Corps, wurde Halbsolistin und war Solistin, als sie Vladimir Malakhov 2007 ans Staatsballett Berlin rief und 2011 zur Ersten Solotänzerin machte. Verlobt war sie auch, mit ihrem heutigen Ehemann, dem russischen Solisten Mikhail Kaniskin. «Und es ist ja immer so schwierig, dass man gemeinsam in eine neue Kompanie wechseln kann.» Das damals stärker klassisch ausgerichtete Repertoire des Staatsballetts reizte die beiden, das wollten sie noch ausprobieren.

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr – auch wenn Elisa Carrillo Cabrera jetzt von Zufall und Glück spricht. Die tägliche harte Arbeit, ihre Entschlossenheit, das Heimweh auszuhalten und zu kontrollieren, mögen beigetragen haben, sie zu der großen Künstlerin reifen zu lassen, die sie heute ist. Zu sehen ist das nicht. Zu sehen sind unglaublich schöne, klare Linien in all ihren Bewegungen, Linien, die sie zu jeder Zeit – auch unvermittelt – aufzubrechen vermag, zu verschieben in eine andere emotionale Welt.

Das vollständige Porträt von Lilo Weber lesen Sie in tanz 1/20