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Rezensionen 1/2020

Korngold: Die Tote Stadt in München

Marlis Petersen gibt auf der einen Seite das flippige, zappelphilippige Mädchen, der Kumpeltyp, mit dem man vielleicht mal auf ein Rockkonzert gehen und dabei ein, zwei Drinks nehmen würde, ohne irgendeine sexuelle Absicht. Hinter dieser naiven Unschuld vom Dorfe aber verbirgt sich ein sinnlicher Vulkan, der mit zunehmender Dauer des Stücks stärker brodelt und schließlich alles um sich herum hinwegschwemmt. Als geübte Lulu und Salome weiß Marlis Petersen, wann sie in dieser Hammerpartie welchen Muskel wie anstrengen muss, vor allem weiß sie, wo es ratsam ist, die Stimme zu schonen. Im ersten Bild nimmt sie sich entsprechend zurück, um dann, von Petrenko und dem entfesselt aufspielenden, dabei aber stets rasiermesserscharf artikulierenden Orchester wie auf weiten Schwingen getragen, mehr und mehr aufzudrehen, bis hin zum ekstatischen Höhenflug am Ende des zweiten Bildes und dem grotesken finalen Todeskampf mit Paul, bei dem sie bis zum hohen c hinauffliegt, als sei es die Sonne. Hier wird die Musik zum Ereignis. Einmal wegen dieser Sängerin, ein weiteres Mal wegen Petrenko und seinen Musikern. Und auch, weil der Paul in guten Händen liegt. Jonas Kaufmann singt ihn. Oder besser: Er erringt sich diese im besten Sinn des Wortes mörderische, unter Heldentenören gefürchtete Rolle. 

Die vollständige Rezension von Jürgen Otten lesen Sie in Opernwelt 1/20