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Der Spielverderber

David Marton über das Geschäft (mit) der Oper

Macht sich die Oper so, wie sie ist, als Repräsentations-Kunstform, bald überflüssig?
(lacht) Ich versuche diese Frage seit Jahren zu beantworten, aber das ist mir noch nie gelungen. Die kürzeste Antwort darauf ist dennoch ein Ja. Oper ist zum Tourismus geworden, zu einem Geschäft mit der Zeitreise. Was die Menschen dahin bringt, ist die reine Nostalgie oder Eskapismus. Da kommt man sich als experimentierender Opernregisseur oft als Spielverderber vor. Wir leben in einer Zeit, in der viele am liebsten in die Vergangenheit flüchten würden – manche sogar in eine Opernloge. Verstörend daran ist nur, dass sich das an den meisten Opernhäusern nur die Reichen erlauben können – und das vor allem macht diese Welt für mich problematisch. Oper ist immer noch ein Luxusgut und momentan deutlich mehr Geschäft von Beratern, Agenten, Kulturmanagern sowie im Prinzip immer wechselwilligen Stars als Kunst – aber das wird mit hübschen Plakaten und Broschüren voller sympathischer, lebensnaher Sängerportraits geschickt kaschiert. Aber ihre wirkliche Problematik als zeitrelevante Kunstform liegt anderswo: im Verhältnis des Publikums zur Musik unserer Zeit. Und sie ist zugleich die Problematik der Konzertsäle. Erst wenn eine neue Musikkultur entstehen würde, in der das Publikum vor allem neue Werke hören möchte und zeitgenössisches Opernrepertoire die Häuser füllen würde, könnte Oper wirklich wieder relevant werden. Bis dahin nicht. Kurzum: Die Frage nach der Relevanz von Oper ist vor allem eine Musikfrage und keine Theaterfrage. 

Das vollständige Interview mit David Marton lesen Sie in Opernwelt 1/20